Werbung und Medien
Das Schaf im eigenen Bett

Werbefachleute haben zurzeit offenbar nicht viel zu tun. Denn wegen der unsicheren Wirtschaftslage scheuen Unternehmen vor hohen Ausgaben für ihre öffentliche Kommunikation zurück. Nicht nur in der Radiobranche herrscht daher Pessimismus.

DÜSSELDORF. Wie üblich dudeln die Hitcharts der Siebziger und Achtziger und der Supermix von heute aus dem Radio. Dann folgt Werbung, die weniger gewöhnlich ist. "Dieser Spot ist für alle, die gestern auf meiner Geburtstagsparty waren", knurrt eine Männerstimme und möchte vom Radiopublikum wissen, wo das Schaf in seinem Bett herkomme, wer zum Geier die Badewanne mitgenommen habe und warum die Yukkapalme plötzlich blau lackiert sei. "Mit Radio erreichen Sie immer die Richtigen", erfährt der Hörer im Anschluss. Mit diesem und weitern 18 Spots versucht die Radiozentrale, eine Initiative führender Privatradio-Unternehmern und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das Image ihrer Mitglieder zu polieren und Werbekunden an Bord zu locken.

Der Erfolg lässt allerdings zu wünschen übrig. Nach dem ungeahnten Werbeboom im vergangenen Jahr kehrt bei den Hörfunkvermarktern zunehmend Ernüchterung ein. "Der Werbemarkt in Gänze weist übers Jahr aufgrund der abflauenden Konjunktur und der zögerlichen Konsumbereitschaft schon deutliche Dellen auf" sagt Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale.

Das Medium erwirtschaftete von Januar bis September nach Angaben des Marktforschers Nielsen nur noch Brutto-Werbeerlöse in Höhe von knapp 914 Mio. Euro. Das entspricht einem Verlust gegenüber dem Vorjahr von 2,2 Prozent.

Höhere Rohstoffpreise, die Finanzkrise und die daraus resultierende Unsicherheit sind schuld daran, dass die Unternehmen ihre Marketingetats überdenken. Vertreter der Branche erwarten deshalb in den nächsten Monaten keine Entspannung und scheuen den Blick in die fernere Zukunft. Aufgrund der noch unklaren wirtschaftlichen Gesamtsituation wäre eine fundierte konkrete Prognose für 2009 verfrüht und käme schlichtweg dem "Blick in die Glaskugel gleich", sagt Kuckuck. Andreas Fuhlisch, Chef des größten privaten Hörfunkvermarkters RMS bleibt ebenfalls zurückhaltend: "Wir rechnen für das kommende Jahr mit einer verhaltenen Entwicklung auf dem Radiowerbemarkt." RTL Radio Deutschland, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, schweigt lieber gänzlich.

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