Werk in Newport
Infineon wird britische Chipfabrik los

Gute Nachrichten für die Aktionäre: Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss findet nach langer Suche einen Abnehmer für seine Fabrik in Newport. So kann das Unternehmen künftig kostengünstiger produzieren.
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MünchenEs waren lange und wohl auch zähe Verhandlungen: Mehr als zwei Jahre lang hat Infineon-Chef Reinhard Ploss nach einem Käufer für sein Chipwerk im walisischen Newport gesucht. Nun ist der Manager endlich fündig geworden. Eine Gruppe von Unternehmern aus der britischen Halbleiterbranche nimmt ihm die Fabrik ab.

Infineon spricht in einer Mitteilung vom Donnerstag von einem Verkauf an die neu gegründete Firma Neptune 6. Einen Preis nennt der Dax-Konzern jedoch nicht. Ob Deutschlands größter Halbleiterproduzent überhaupt Geld für die sogenannte Fab mit 400 Mitarbeitern bekommt, ließ das Unternehmen auf Nachfrage hin offen. Denn es ist nicht so, dass es für Chipfabriken in Großbritannien besonders viele Interessenten gibt.

Für die Aktionäre ist der Deal auf jeden Fall positiv, zumindest mittelfristig. Die Münchener werden die Chips künftig in ihren größeren und effizienteren Fabriken in Dresden und dem malaysischen Kulim fertigen. Das wird für einen höheren Gewinn sorgen.

Zunächst hat sich Infineon allerdings verpflichtet, noch für zwei Jahre elektronische Bauteile von den neuen Eigentümern der Fab zu beziehen. Produktionsvorstand Jochen Hanebeck zeigte sich am Donnerstag zufrieden mit dem Vertragsabschluss: „Die Übertragung des Produktionsstandortes ist ein wichtiger Schritt bei der Konsolidierung unserer Frontend-Fertigung nach der Übernahme von International Rectifier.“

Die Bayern bekamen das Werk in Newport in der Nähe von Cardiff vor zweieinhalb Jahren im Zuge der Übernahme des amerikanischen Konkurrenten International Rectifier. Schnell war Ploss klar, dass der eher kleine Standort im Infineon-Verbund keinen Platz hat. Daraufhin kündigte der Unternehmenslenker einen Verkauf bis Ende 2017 an, notfalls wollte er die Fabrik dicht machen.

Wales bemüht sich schon seit längerem darum, die Chipindustrie zu stärken. „Eine Schließung des Standorts wäre für die Wirtschaft der Region und des Landes ein großer Rückschritt gewesen“, betonte denn auch Ken Skates, der walisische Kabinettssekretär für Wirtschaft und Infrastruktur. Neptune 6 will in der Fabrik künftig für andere Halbleiterhersteller produzieren.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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