Wettbewerb
Telekom spürt Telefonicas heißen Atem

Die Deutsche Telekom hat ihren Spitzenplatz in Europa verteidigt, aber die Nummer zwei, die spanische Telefónica, holt auf. Die Spanier sind in ihrem Heimatmarkt nicht so einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt wie der deutsche Branchenprimus. Erfolgreich ist die Deutsche Telekom vor allem im DSL-Geschäft.

DÜSSELDORF. Auf Basis ihrer Geschäftszahlen für das Jahr 2008, die die beiden Kontrahenten in der vergangenen Woche präsentierten, schrumpfte der Vorsprung der Telekom beim Umsatz von 6,1 Mrd. Euro im Jahr 2007 auf 3,8 Mrd. Euro. Die Bonner erzielten leicht rückläufige Verkaufserlöse von 61,7 Mrd. Euro, die Spanier verzeichneten ein Umsatzplus von 3,2 Prozent auf 57,9 Mrd. Euro(siehe Tabelle).

Was die Ertragsstärke angeht, sind die Spanier seit Jahren der Maßstab der Telekomindustrie. Wichtigste Kennziffer in der Branche ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Hier gelang der Telekom immerhin ein Achtungserfolg: Die Bonner steigerten 2008 die Ebitda-Marge auf 31,4 Prozent, während die Umsatzrendite Telefónicas leicht auf 39,6 Prozent nachgab.

Die im Vergleich zur Telekom deutlich höhere Marge resultiert neben höheren Renditen im Heimatmarkt Spanien aus der starken Stellung Telefónicas in Schwellenländern. In Lateinamerika – dem inzwischen größten Markt – sind die Spanier in allen Ländern die Nummer eins oder zwei und profitieren deshalb stärker von Skaleneffekten. Die Telekom dagegen ist in ihrem wichtigsten Markt, den USA, nur Nummer vier und in Europa beispielsweise in Großbritannien nicht in der Spitzengruppe zu finden.

Hinzu kommt: Die Spanier sind in ihrem Heimatmarkt nicht so einem intensivem Wettbewerb ausgesetzt wie die Telekom. Außerdem zieht T-Systems die Rendite nach unten. Die Geschäftskundentochter des Bonner Konzerns erzielt nur eine Ebitda-Marge von 7,7 Prozent. Sie bietet vor allem IT-Dienstleistungen an, deren Renditen deutlich niedriger sind als in der Telekommunikation. Telefónica dagegen bedient das Geschäftskunden-Segment gar nicht.

Vor Ausbruch der Wirtschaftskrise hatten zahlreiche Experten Telekom-Chef René Obermann kritisiert, nicht in den schnell wachsenden Märkten Asiens oder Afrikas zu investieren. Um aber wirklich erfolgreich in den Emerging Markets zu sein, müsste die Telekom Synergien in einer Region realisieren. Das dürfte aber nur gelingen, wenn sie sich gleichzeitig in mehreren Ländern engagierte. Dann aber wäre das aktuell komfortable finanzielle Polster nicht nur aufgebraucht, auch für andere Projekte fehlte das Geld. Überdies sind teure Übernahmen in Schwellenländer hochriskant. Börsianer straften Telefónica ab, weil sie fürchteten, dass die Emerging Markets in der aktuellen Wirtschaftskrise stärker leiden würden als Industrienationen. Bislang sind Fälle wie Telenor die Ausnahme; der norwegische Konzern musste bei seiner thailändischen Tochter Federn lassen.

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