Wettbewerbshüter
EU erlaubt Übernahme von Kabel Deutschland

Grünes Licht für Vodafone: Die EU-Kommission hat dem Mobilfunkriesen erlaubt, Kabel Deutschland zu übernehmen. Die Beeinträchtigung des Wettbewerbs würde nur unwesentlich ausfallen.
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BrüsselDer Weg für die vollständige Übernahme von Kabel Deutschland ist frei: Die EU-Kommission hat nach einer Kartellprüfung den knapp elf Milliarden Euro schweren Kauf des Kabel-Marktführers durch Vodafone genehmigt. Die Freigabe erfolge ohne Auflagen, teilte die Kommission am Freitag mit. Das Fusionsvorhaben werfe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf.

Das grüne Licht aus Brüssel ist der letzte Baustein bei der Übernahme von Kabel Deutschland durch die Briten. Der Deal ist damit besiegelt. Zuvor hatte Vodafone mit seinem Kaufangebot bereits mehr als drei Viertel der Kabel-Aktionäre auf seine Seite gezogen – am Ende wurde es noch eng, da Hedgefonds auf ein höheres Angebot spekuliert und Aktien der Münchner Firma gekauft hatten. Vodafone hatte 84,50 Euro je Aktie in bar geboten. Dazu kommt eine Dividende von 2,50 Euro, die Kabel Deutschland schon in Aussicht gestellt, aber noch nicht ausgezahlt hat. Insgesamt sind das 7,7 Milliarden Euro. Darüber hinaus muss Vodafone drei Milliarden Euro Schulden von Kabel Deutschland schlucken.

Kabel Deutschland soll nach der Übernahme in der deutschen Tochter von Vodafone aufgehen, die vor 13 Jahren aus der Mobilfunksparte von Mannesmann (D2) entstanden war. „So schaffen wir eine am Markt einzigartige Angebotspalette und liefern Kunden über alle Kanäle komfortablen Zugang zur digitalen Welt“, sagte Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum.

Damit erwächst der Deutschen Telekom ein starker Konkurrent, der künftig Mobilfunk, superschnelle Internet-Verbindungen per Kabel und Telefon-Angebote aus einer Hand anbieten kann. Der mit 8,5 Millionen Kabel-Haushalten größte Netzbetreiber Deutschlands bietet schon heute Verbindungsgeschwindigkeiten, von denen die Telekom nur träumen kann.

Die Kabelnetze erlauben Geschwindigkeiten von 150 Megabit pro Sekunde (MBit/s) - ohne großen Aufwand wären auch 400 möglich. Selbst nach dem Ausbau des alten Netzes mit DSL-Technik, der Milliarden verschlingt, kann die Telekom höchstens 100 MBit/s erreichen. Geschwindigkeit ist für viele Kunden mittlerweile ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Internet-Anschlusses, da immer mehr Filme und Serien in HD-Qualität verfügbar sind. Die Telekom musste ihr TV-Kabelnetz auf politischen Druck hin Anfang des Jahrtausends verkaufen. Kabel Deutschland wächst seit Jahren rapide.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wettbewerbshüter: EU erlaubt Übernahme von Kabel Deutschland"

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  • nationale Sicherheit, und Schutz der Privatsphere am Ende ?
    da hätten wir auch gleich unsere Straßen und Autobahnen verkaufen können.
    Daten fließen so noch besser zur NSA.
    Was hat das noch mit Wettbewerb zu tun ?

  • Jetzt bin ich aber froh, dass uns die EU das genehmigt hat. Was hätten wir nur ohne die EU gemacht? Furchtbar, einfach furchtbar, ohne die Halbgötter aus Brüssel!

  • ...jaau,- immer weiter möglichst fette Global-Player" züchten, vielleicht sind ja auch bald Kommunikationsfirmen too big to fail? Wozu auch Konkurrenz, die das Geschäft belebt?

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