Wettbewerbsverfahren: Telekom schießt gegen Google

Wettbewerbsverfahren
Telekom schießt gegen Google

Auch die Deutsche Telekom beschwert sich in Brüssel über den Internetkonzern Google. Der Vorwurf: Die EU-Kommission behandle den Suchmaschinenanbieter „mit Samthandschuhen“. Geplante Änderungen gingen nicht weit genug.
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BrüsselAuch die Deutsche Telekom hat sich im Streit um Praktiken des Internet-Giganten Google offen als Gegner des US-Konzerns positioniert. Die Telekom habe am Freitag bei der EU-Kommission in Brüssel Beschwerde eingelegt, teilte ein Unternehmenssprecher am Montag schriftlich mit. Die derzeit vorgesehenen Änderungen an Googles Praktiken seien „vollkommen unzureichend“, die EU-Kommission behandle die Firma „eher mit Samthandschuhen“, fügte er hinzu.

Derzeit läuft ein EU-Wettbewerbsverfahren gegen Google. Im Zentrum steht der Vorwurf, die Suchmaschine zeige Links von Firmen, welche mit Google-Diensten konkurrieren, zu Unrecht nicht prominent genug an. Den Beschwerdeführern zufolge nutzt Google so seine riesige Marktmacht aus - zum Schaden der anderen Firmen, aber auch der Verbraucher, die schließlich nicht unparteiisch generierte und für sie möglichst passende Sucheinträge fänden, sondern stattdessen diejenigen, die für Google am einträglichsten sind.

In dem 2010 gestarteten Verfahren hat Google Änderungen angeboten, um einer EU-Strafe zu entgehen. Der Telekom und anderen Kritikern, darunter große Verlagshäuser, gehen die Vorschläge aber nicht weit genug

Allerdings verfolgt die Telekom nach eigenen Angaben einen breiteren Ansatz als andere Google-Gegner. „Die Beschwerde bezieht sich auf Googles wettbewerbswidrige Praktiken in der Online-Suche und dem Werbemarkt für Anzeigen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Telekom. Die EU müsse das Gebaren von Google umfassend und „auf den verschiedenen Märkten“ unter die Lupe nehmen. Es geht somit nicht nur um die Anzeige von Suchergebnissen für Spezialsuchmaschinen, die etwa Reisen oder Geschäfte finden, wie ein Sprecher erläuterte. Derartige Dienste standen bislang im Mittelpunkt der Diskussion.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Wir befinden uns auf dem Weg zum digitalen Zeitalter. Wer dieser Transformation nicht schnell genug folgen kann wird verlieren. Wenn Teile der Wirtschaft jetzt in Brüssel gegen Google vorgehen, heißt das nur, dass sie bisher von diesem Wandel nicht profitiert haben, sondern wie z.B. die Presse Auflagen Verluste verzeichnen. Niemand redet darüber welchen volkwirtschaftlichen Nutzen das Web hat und welchen Anteil die Suchmaschinen daran haben. Besser gesagt ohne Google + Co wäre das Web nichts. Wenn die Telekom jetzt aus „formalen“ Gründen auch gegen Google vorgeht frage ich mich welche Gründe das sein sollen. Der Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges sollte sich lieber um den Ausbau des Breibandnetzes als sein ureigenes Geschäft kümmern, denn dafür zahle ich jeden Monat. Mein Eindruck ist, dass Herr Alumnia die Interessen der Verbraucher hier besser vertritt als die klagende Wirtschaft.

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