Whatsapp
Facebooks teure Wette

Für viele Smartphone-Nutzer ist Whatsapp nicht mehr wegzudenken – doch die Popularität macht sich nicht bezahlt: Die Facebook-Tochter macht kaum Umsatz und schreibt hohe Verluste. Der Konzern wettet auf die Zukunft.
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DüsseldorfMit der milliardenschweren Übernahme von Whatsapp geht Facebook eine teure Wette ein. Das zeigt die Zwischenbilanz des Konzerns, in der er erstmals Zahlen zur Tochterfirma vorlegt. Der Messaging-Dienst machte mit seinen 600 Millionen Nutzern im ersten Halbjahr lediglich 15,3 Millionen Dollar (zwölf Millionen Euro) Umsatz. Er schrieb 232,3 Millionen Dollar Verlust, was aber zum größten Teil aus Aktienoptionen für die Mitarbeiter resultiert. Facebook hatte das Start-up im Februar für 21,8 Milliarden Dollar gekauft.

Die Kosten für den Geschäftsbetrieb waren im ersten Halbjahr mit 13,5 Millionen Dollar überschaubar. Allerdings verbuchte Whatsapp 206,5 Millionen Dollar für aktienbasierte Vergütungen und die Ausgabe von Anteilen. Offenbar nutzte das Start-up diese Möglichkeit, um Mitarbeiter anzulocken.

Whatsapp ist werbefrei, das Unternehmen verdient an einem Jahresbeitrag von 99 Cent, der nach dem ersten, kostenlosen Jahr fällig wird. Gründer Jan Koum, der das Unternehmen weiter leitet, will sich mit dem Geld von Facebook im Rücken auf das Wachstum der Nutzerbasis konzentrieren. Der Umsatz werde sich in fünf Jahren oder noch später einstellen, erklärte er am Dienstag. Er betonte erneut, dass er in der App keine Werbung schalten will. Facebook hatte dem Start-up bei der Übernahme große Unabhängigkeit zugesagt.

Facebook enthüllte in der Zwischenbilanz Details zur Bewertung von Whatsapp. Die Nutzerbasis taxierte der Konzern auf rund zwei Milliarden Dollar, die Marke auf 450 Millionen Dollar und die Technologie auf 290 Millionen Dollar. Mit 15,3 Milliarden Dollar wird ein Großteil des Kaufpreises als Goodwill verbucht – diese Position taucht in der Bilanz auf, wenn bei einer Übernahme mehr gezahlt wird, als das Vermögen der Tochter wert ist. Facebook rechtfertigt diese hohe Summe mit zukünftigem Wachstum. Zudem erhofft sich der Konzern „strategische Vorteile im mobilen Ökosystem“.

Mit der Übernahme zeigt Firmenchef Mark Zuckerberg einmal mehr, dass Facebook im großen Stil investieren will, um das Wachstum in den nächsten Jahren anzukurbeln. Der Konzern hatte auch für 2,3 Milliarden Dollar den Datenbrillen-Hersteller Oculus VR übernommen. Insgesamt ist er an rund 40 Unternehmen beteiligt, darunter auch dem Fotodienst Instagram. In einer Telefonkonferenz mit Analysten kündigte Finanzchef David Wehner an, dass die Kosten und Ausgaben im kommenden Jahr um 55 bis 75 Prozent steigen könnten. Den Anlegern behagt das nicht, der Aktienkurs fiel daraufhin deutlich.

Kommentare zu " Whatsapp: Facebooks teure Wette"

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  • WhatsApp ist out - zumindest bei Usern, die auf Datensicherheit Wert legen. WhatsApp speichert z.B. alle gesendeten Bilder auf ihren Servern (und behält sie womöglich?)

    Daher nutze ich nur noch Threema!

    Die App kostet zwar 1,60 €, aber alles läuft super sicher und verschlüsselt ab und die Server stehen nicht im Homeland der NSA, sondern in der Schweiz...

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