WhatsApp-Gründer Koum
Der Milliardär, der mit Lebensmittelmarken zahlte

Es ist der größte Internetdeal seit mehr als zehn Jahren. Jan Koum, ein aus der Ukraine eingewanderter Software-Entwickler, verkauft den Nachrichtendienst WhatsApp an Facebook – und wird Milliardär.
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San FranciscoAls Teenager wanderte Jan Koum mit seiner Familie aus der Ukraine in die USA aus. Angekommen in den USA war er auf Lebensmittelmarken angewiesen. Spätestens seit heute ist er Milliardär: Facebook schnappt sich den Kurznachrichtendienst WhatsApp, den Koum vor fünf Jahren gemeinsam mit Brian Acton gegründet hatte, und zahlt dafür 19 Milliarden Dollar.

Ein Grund für den Erfolg ist WhatsApps Einfachheit. An Koums Schreibtisch hängt eine Notiz, die ihn ständig daran erinnern soll, dem Ideal treu zu bleiben: „Keine Anzeigen! Keine Spiele! Keine Gimmicks!“ 450 Millionen Nutzer hat WhatsApp so bereits überzeugt, 30 Millionen allein in Deutschland.

Koum weiß, dass er den Verkauf an Facebook verteidigen muss. Denn Facebook steht für Werbung, viel Werbung. „Niemand steht auf und freut sich über mehr Werbung, niemand geht ins Bett und denkt, welche Anzeigen er morgen sehen wird“, schreibt er in einem Blog-Eintrag zum Verkauf an Facebook. Daher bleibe es dabei: WhatsApp solle werbefrei bleiben und auch sonst sich für die Nutzer nichts ändern.

Den Deal hatten Facebook-Gründer Mark Zuckerburg und Koum bei persönlichen Treffen eingefädelt. Im Frühjahr 2012 trafen sie sich persönlich in einer deutschen Bäckerei in Los Altos (hier ein Interview mit der Bäckerei-Besitzerin).

Gearbeitet hat Koum bis 2007 beim Internetportal Yahoo, bevor er gemeinsam mit Acton das neue Unternehmen gründete. Seine Herkunft habe die Entwicklung des Dienstes geprägt. Die Erfahrung, in einem Land gelebt zu haben, in dem Telefonleitungen oft angezapft worden seien, hätte ihm die Bedeutung von Privatspähre klargemacht, so Jim Goetz, Partner beim WhatsApp-Investor Sequoia. Die Firma war der einzige Investor, den WhatsApp mit an Bord geholt hatte. Aus 60 Millionen Dollar wurden für Sequoia 3,5 Milliarden Dollar.

WhatsApp sichert zu, weder Name noch Geschlecht, Adresse oder Alter der eigenen Nutzer abzufragen. Die Telefonnummer ist das Mittel zur Authentfizierung. „Jans Kindheit hat ihn Kommunikation schätzen lassen, die nicht angezapft werden kann“, so Goetz. Kritik muss WhatsApp aber regelmäßig dafür einstecken, die Kontaktdaten der Smarthpones der Kunden auszulesen. „Wir interessieren uns nicht für Informationen über unsere Nutzer“, erklärte Koum noch im Januar. Stattdessen reiche die überaus moderate Gebühr von einem Dollar im Jahr für den Betrieb. WhatsApp schalte keine Werbung und müsse deshalb auch keine Nutzerdaten auswerten.

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Erdbeeren als Mitbringsel für Zuckerberg

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  • da kann man mal sehen was es einem Mark Zuckerberg wert ist an die Verschlüsselung von Millionen von Smartphone Nutzern zu kommen. Aber evtl. handelt er ja nur im Auftrag von anderen, die das Geld ja aus dem Nichts erschaffen können ;-)

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