WhatsApp-Übernahme: Facebook kauft ein Stück Zukunft

WhatsApp-Übernahme
Facebook kauft ein Stück Zukunft

Teuer? Gewiss. Überteuert? Eher nicht. Die 19 Milliarden Dollar für WhatsApp hat Facebook klug investiert: Das Soziale Netzwerk sichert sich eine stetige Einnahmequelle – und versichert sich gegen aufmüpfige Rivalen.

DüsseldorfSelbst für Silicon-Valley-Verhältnisse ist es ein Mega-Deal: Facebook will den beliebten Chat-Dienst WhatsApp für satte 19 Milliarden Dollar übernehmen. Das ist zwar teuer, aber nicht unbedingt überteuert. Denn zum einen ist das Start-up bereits profitabel, zum anderen erkauft sich Facebook damit ein Stück Zukunft.

Die Milliardenübernahme beweist einmal mehr, welche mächtige Position das Smartphone heute bereits einnimmt: Es wird im wahrsten Sinne des Wortes zum Personal Computer unserer Zeit – ein persönliches Gerät, das immer dabei ist. Und Facebook zeigt einmal mehr, dass es wild entschlossen ist, diese Zeit zu prägen – auch wenn es sich dafür neu erfinden oder viel investieren muss.

Der Wandel der Technologiewelt lässt sich an einer Zahl festmachen: Im vergangenen Jahr verkauften die Smartphone-Hersteller rund eine Milliarde Geräte, Tendenz: stark steigend. Bald wird fast jeder Mensch eines haben. Für viele Nutzer in den Schwellenländern ist das Mobiltelefon nicht selten der erste und vorerst einzige Computer.

Auf den kleinen Touchscreens gelten jedoch andere Spielregeln als auf dem großen Desktop. Es gibt nicht das eine Soziale Netzwerk als Ort für die Kommunikation, sondern ein Nebeneinander vieler verschiedener Apps. Für die Nutzer ist die mobile Kontaktpflege denkbar einfach – die Dienste sind mit zwei Gesten erreichbar und greifen auf ein bereits vorhandenes soziales Netzwerk zu: das Telefonbuch.

Facebook gefällt das nicht – WhatsApp, Snapchat, Line und all die anderen bilden zwar nur einzelne Funktionen des Sozialen Netzwerks ab, aber sie konkurrieren mit ihm um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Zudem haben die SMS-Killer ein enormes Potenzial über Nachrichten und Fotos hinaus: Sie sind Plattformen, die Nutzer mehrmals täglich ansteuern. Diese enorme Reichweite lässt sich verkaufen: an Werbekunden (was WhatsApp bislang strikt ablehnt), aber auch an Händler.

Die Konkurrenz tut das bereits: Über seine App verkaufte WeChat kürzlich in China in zehn Minuten 150.000 Smartphones, Line vermarktet in Südkorea Computerspiele. Die WhatsApp-Gründer haben sich bislang zwar darauf konzentriert, eine simple und effiziente, wenn auch nicht gerade sichere App zu entwickeln. Aber dabei muss es trotz aller Beteuerungen nicht bleiben. Auch ohne eine solche Vermarktung verdient WhatsApp an den Abo-Gebühren für die App Geld.

Für Facebook bringt der Deal somit mehrere Vorteile, sofern die Kartellbehörden zustimmen: Das Unternehmen stärkt seine ohnehin schon große Präsenz auf den Smartphones, bekommt die Kontakte zu 450 Millionen Nutzern samt ihrer Telefonnummern; es erschließt eine Einnahmequelle, die stetig sprudelt und künftig dank des Wachstums noch anschwellen dürfte; gleichzeitig buhlt ein aufmüpfiger Rivale weniger um die Aufmerksamkeit der Smartphone-Besitzer.

Jeder einzelne WhatsApp-Nutzer kostet Facebook bis zu 42 Dollar – das liegt in dem fürs Silicon Valley durchaus üblichen Rahmen, zumal jeden Tag eine Million neue Nutzer hinzukommen und Facebook gleichzeitig einen potenziellen Rivalen auf die eigene Seite zieht. Gut möglich, dass auch andere Bieter im Rennen waren und den Preis nach oben trieben. Zum Vergleich: Das Soziale Netzwerk selbst ist deutlich höher bewertet, bei der jetzigen Marktkapitalisierung ist jedes Mitglied 140 Dollar wert. Dagegen zahlte der japanische E-Commerce-Riese Rakuten für den WhatsApp-Rivalen Viber nur 3 Dollar pro Nutzer.

Alles in allem ist der Preis also hoch, aber durchaus realistisch. Klar ist indes auch: Damit sich der Kauf für Facebook rentiert, wird sich WhatsApp über kurz oder lang verändern müssen.

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