Whistleblower-Skandal: Der Snowden in Ihrem Büro

Whistleblower-Skandal
Der Snowden in Ihrem Büro

Erst Wikileaks, jetzt Prism: Erneut blamiert mit Edward Snowden ein Whistleblower die Supermacht USA. Neueste Technik macht es immer einfacher, Geheimnisse zu verraten. Schützen können sich auch Unternehmen nur schwer.
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Berlin Die Geschichte von Edward Snowden ist die eines enttäuschten Idealisten – aber auch die eines dilettantischen Geheimdienstes. Der Amerikaner enthüllte die massiven Internetschnüffeleien der US-Regierung nach eigenem Bekunden, weil er die Freiheit des Internets in Gefahr sah. Er konnte die NSA aber nur blamieren, weil diese ihm – dem Mitarbeiter einer externen Beratungsfirma – vollen Zugriff auf Top-Secret-Informationen gestattete.

Der aktuelle Fall wirft ein Schlaglicht auf den Geheimnisverrat aus dem Inneren von Organisationen. Ob Whistleblowing aus moralischen Gründen oder Wirtschaftsspionage: Häufig schmuggeln Täter aus den eigenen Reihen wertvolle vertrauliche Informationen nach draußen. Laut den aktuellsten Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik hat der Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen im vergangenen Jahr um fast 3 Prozent zugenommen. Das Internet ist laut der Statistik bei der Datenweitergabe ein immer beliebteres Tatwerkzeug.

Der Schaden, den die Geheimnisverräter verursachen, ist immens. „Die Schäden belaufen sich in der Regel auf bis zu eine Million Euro pro Fall“, sagt Alexander Geschonneck, Sicherheitsexperte bei der Unternehmensberatung KPMG Handelsblatt Online.

Unternehmen und Behörden machen es ihnen allerdings auch oft zu leicht, wie der Fall Snowden drastisch zeigt. „Das Problem der Spionage wird gern unterschätzt, weil die Unternehmen den eigenen Mitarbeitern nichts Böses unterstellen“, sagt der Sicherheitsberater Christian Schaaf von der Firma Corporate Trust. Aber: „Wo Menschen sind, da menschelt es.“ Mit anderen Worten: Geldgier und Wut auf den Arbeitgeber gibt es immer wieder – zwei häufige Motive, Geheimnisse auszuplaudern, nicht selten in Kombination.

Das untermauert eine Umfrage, die Corporate Trust unter 600 Unternehmen durchgeführt hat: Rund 21 Prozent gaben an, durch Spionage bereits Schäden erlitten zu haben. Rund jedes zweite Opfer ging davon aus, dass dabei eigene Mitarbeiter die Hände im Spiel hatten. Davon bekommt die Öffentlichkeit jedoch selten etwas mit – anders als bei Edward Snowden oder dem US-Soldaten Bradley Manning, der tausende geheime Dokumente an die Enthüllungsplattform Wikileaks durchgestochen haben soll und derzeit vor Gericht steht.

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„Angriffe werden selten bemerkt“

Kommentare zu " Whistleblower-Skandal: Der Snowden in Ihrem Büro"

Alle Kommentare
  • Fähige Mitarbeiter aus der IT-Abteilung, die zwangsläufig Zugang zu jeder Datenbank bekommen und wirklich zur effizienten Erfüllung Ihrer Aufgabe bekommen müssen, vor illegalem Handeln auszuschließen, dürfte ein aussichtloses Unterfangen sein. Für sie ist es auch ein Leichtes, völlig unauffällig kleine Spionageprogramme ins System zu schleußen, die per Fernzugriff alles zugänglich machen könnten. Gut im Betriebssystem versteckt, wahrscheinlich gar nicht zu entdecken. Wer kann ganz sicher sein, daß MS in Windoofs nicht von vornherein solch ein Hintertürchen mit einem Masterpaßwort für gute Partner implementiert hat, vielleicht genötigt wurde, solches im Geheimen zu tun?

    Nun zu den eigenen Leuten im Unternehmen. Wenn diesen nicht vertraut werden kann, wem dann und was ist dann faul im eigenen Laden?

    Bleiben sie stark, liebe Mitleser.

  • Verflechtungen

    Obwohl die Warnungen des Artikels zutreffen, richtet er in diesem Fall doch den Fokus auf einen Nebenaspekt. Erstaunlich ist doch vielmehr, wie weit die Vermischung von privaten und geheimdienstlichen Aktivitäten und Organisationen in den USA gediehen ist.

    Snowden war nach eigenen Angaben die vergangenen vier Jahre als Mitarbeiter von Unternehmen bei der NSA, die auch als Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer tätig sind.

    Warum sollte eine private Organisation oder Person die Möglichkeiten, die sich durch derartige Tätigkeiten in einem gigantischen Apparat ergeben, nicht für sich selber nutzen oder privatwirtschaftliche Aufträge für Ausforschungsaktivitäten zugunsten anderer.

    Wie schon länger befürchtet, kann offenbar jeder genügend (politisch) ehrgeizige Insider hier seinen eigenen Interessen nachgehen oder (ev. auch in Kooperation mit anderen) sein eigenes Spiel spielen. Ein geheimdienstliches Profil im engeren Sinne braucht es dafür anscheinend nicht einmal.

    Überblicken und kontrollieren kann diese Verflechtungen inzwischen doch offenbar keiner mehr, sonst gäbe es diese „Affäre“ nicht.

  • Das Sammeln der Daten an sich ist ja noch harmlos. Erst mit "Big Data" und Graphendatenbanken entsteht quasi "reverse" ein "soziales" Netzwerk, das Bankdaten, E-Mail-Konten und Telefonverbindungen von Personen und deren Kontakten zu umfangreichen Profilen verknüpft.

    Damit kann man sich dann zum Königsmacher aufschwingen, und unliebsame Personen aus Wirtschaft und Politik durch gezielte Indiskretionen zu Fall bringen, im In- und Ausland. Das ist viel billiger und nicht so schmutzig wie die Staatsstreiche der CIA.

  • @hanwufu

    Es ist schon lange bekannt, dass die NSA den gesamten Internetverkehr nach Key-Wörtern filtert.

    http://rense.com/general66/scgh.htm

    Ebenso ging schon voriges Jahr die Meldung durch die EDV-Fachpresse, dass die NSA auf sämtliche Clouds der Cloud-Anbieter Zugriff hat, oder dass Verizon gezwungen wurde der NSA Zugriff auf Telefonverbindungsdaten zu gewähren.

    Warum die großen Medien das Thema jetzt aufgreifen und so groß raus bringen, erfahren wir vielleicht noch.

    Ein wenig diskutiertes Thema in dem Zusammenhang ist die Industriespionage.
    Ich habe mich auch gefragt, ob es bei dem Thema nicht einen Zusammenhang zu der It-Umstrukturierung von Daimler-Benz gibt. Das Top-Thema der letzten Jahre war Outsourcing und Cloud-Computing. Daimler hat gerade das Gegenteil entschieden.

  • Sehr geehrter Herr Christof Kerkmann

    Das eigentliche Problem wird von Ihnen nicht aufgegriffen: Die USA spionieren über Telefon, E-Mail, Tastatureingaben, Kamerafremdsteuerung, usw. sämtliche deutsche Firmen aus. Die Spione sind klar zu benennen, es sind die befreundeten USA und hierbei wollte dieser junge Mann nicht mitmachen.

    MfG

    Chris

  • Ich kann mir schon vorstellen, dass die NSA manchmal Daten löscht. Aber müssen tun sie es nicht (Bei den Kapazitäten die sie im mittleren Westen bauen...)

    Ich verstehe auch nicht warum es noch Leute gibt die Zweifel haben, dass gewisse Staaten (mit entsprechenden Budgets) jeden Müll an Daten abfangen. So billig, und ergiebig, wie heute war es noch. Tja man darf sich dabei nur nicht erwischen lassen.

    Und wenn man manchmal Aussagen von großen Internetplayern hört, sie würden ja keine Standleitungen zu Daddy haben. Es ist einfach unglaubwürdig dies zu bestreiten.

    Ich glaube aber an die Aussage, dass kein Amerikaner "direkt" abgehorcht wird, d.h. es wird niemand auf dieser Welt "gezielt" abgehorcht. Weil die ganzen Daten von Algorithmen mit abstrakten Zielen durchforstet werden.

  • Die Firma gewinnt immer.

  • @berkmann

    Richtig.

    Der eigentliche Skandal ist die Komplett-Überwachung und nicht der "Geheimnisverrat".

  • Die ELite eines Landes ist nie an Datenschutz interessiert. Denn Datenschutz bedeutet freie Bürger, aber gespeicherte Daten bedeutet Kontrolle.

    Auch in Deutschland speichern die Amis was das Zeug hält. Schon mal was von Ecolon gehört?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Echelon

    Ich kann auch nur den Kopf schütteln wenn ich sehe wie gerne alle möglichen Telefondienste für den Aufbau von Telefonkonfernenzen genutzt werden und dann wird jedes Betriebsgeheimnis ausgeplaudert. Die Mitarbeiter sind nicht geschult und nicht ausgebildet. Natürlich werden die Daten gelöscht aber davor vom NSA kopiert und NIE gelöscht! Wer überrascht ist, ist entweder scheinheilig oder dumm. Ich tippe auf das erste. Wer "Echolon" erlaubt, der weiß was er tut. Es ist dann also eher scheinheilig sich aufzuregen

  • Herr Snowden ist ein Held.
    Wenn hinter den Phrasen der deutschen Politiker nur ein wenig Wahrheit wäre, würde dem die Bundesrepublik Asyl gewähren. Aber auch von unserem ostdeutschen Pastor kommt nur heiße Luft, wenn es um Freiheit geht.
    Dass unsere Freiheit auf Privatsphäre und Bankgeheimnis von den Geheimdiensten mit Füssen getreten wird, fällt dem Herrn leider nicht auf.

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