Widerstand gegen Bücher-Digitalisierung
Google: Wehret den Einscannern!

Google schafft Fakten: Der US-Internetkonzern digitalisiert Bücher, was das Zeug hält - und speist die Autoren ab. Nun formiert sich auch in Deutschland der Widerstand. Doch ist Google überhaupt noch zu stoppen?

BERLIN/DÜSSELDORF. Google muss sich noch etwas in Geduld üben, um Rechtssicherheit beim Aufbau seiner gigantischen Internetbibliothek zu bekommen - und sich damit einen gewaltigen Wettbewerbsvorsprung zu sichern. Ein New Yorker Gericht hat die Annahmefrist für den Vergleich des Internetriesen mit Autoren und Verlegern vom 5. Mai auf den 4. September verlängert. Zudem wollen sich nun die US-Kartellwächter mit dem Fall beschäftigen. Der Vergleich beschränkt sich zwar auf den US-Markt, hat aber weltweite Signalwirkung. Deutsche Verleger und Autoren fürchten einen Frontalangriff auf das Urheberrecht.

Google will mit nicht mehr lieferbaren Büchern ein weltweites Geschäft machen. Werke, die in den USA nicht mehr in gedruckter Form erhältlich sind, will das Unternehmen kostenlos ins Netz stellen. Umsätze und Gewinne erzielt Google mit Werbung. Damit das Geschäft auch legal wird, braucht Google eine Vereinbarung mit Verlagen und Autoren. Sie sollen künftig für 60 Dollar ihre Rechte an einem Buch pauschal abtreten, später immerhin am Gewinn beteiligt werden (www.googlebooksettlement.com). Sollten Autoren und Verlage widersprechen, will Google offenbar alle Register des US-Rechts ziehen.

Das alles betrifft auch deutsche Autoren und Verlage. "Es gibt noch so viele offene Fragen", heißt es beim Hanser Verlag. "Da ist jede Verzögerung gut." Die Branche vertraut auf den Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Verwertungsgesellschaft Wort. Beide Verbände vertreten die Interessen von Verlagen, Händlern und Autoren. Trotz gemeinsamer Stärke ist die Angst vor dem mächtigen Gegner Google aber groß: "Als einzelne Firma gegen Google zu klagen ist ja wie der Kampf gegenWindmühlen bei Don Quijote", heißt es in einem Münchener Verlagshaus.

Der Ausgang des Streits zwischen Verlagen und Google ist für die gesamte Branche von höchster Bedeutung. Sollte der Internetkonzern Autoren nicht mehr fragen müssen, bevor er deren Texte anbietet, käme das einer Enteignung gleich. Das Unternehmen könnte dann für wenig Geld nicht mehr im Handel lieferbare Bücher ins Netz stellen; seine jetzt schon einzigartige Online-Universalbibliothek würde dadurch noch wertvoller.

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