Wie aus einem Insolvenzverfahren eine Erfolgsstory wurde
Nach der Kirch-Insolvenz: Ein Erbe feiert Börsengang

Das Imperium lebt: Drei Jahre nach dem Untergang von Leo Kirch ist nicht nur Premiere zu neuem Leben erwacht. Auch andere frühere Firmen des Ex-Medienmoguls prosperieren.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Heute ist Kofler-Tag: Der charismatische Premiere-Chef feiert in Frankfurt den Börsenstart seines Bezahlfernsehens, ein Debüt nach Maß, 28 Euro je Aktie. Denn die Nachfrage war hoch, viel höher als erwartet. Georg Kofler stößt auf dem Frankfurter Parkett an. Es soll ein bescheidener Empfang sein, keine große Party. Einer wird nicht dabei sein: Leo Kirch.

Premiere, das war Leo Kirchs Baby, aufgepäppelt mit Milliarden, aber nie richtig groß geworden. Vor drei Jahren hätte niemand im Traum daran gedacht, dass der Sender es bis an die Börse schafft. Das Bezahlfernsehen produzierte Milliardenverluste – und zog das gesamte Medienreich des Leo Kirch in die Pleite. Doch Kofler, einst der Bürochef des Gründervaters, wagte und gewann. Er sanierte den Sender und brachte ihn bis nach Frankfurt. Sein größtes Kapital: Verkaufstalent.

Premiere ist kein Einzelfall. Fast drei Jahre nach dem Insolvenzantrag am 8. April 2002 sind fast alle Kirch-Firmen zu einem neuen und vor allem profitablen Leben erwacht. „Das Lebenswerk von Leo Kirch lebt weiter. Es ist durch die Insolvenz alles andere als zerstört“, sagt ein Insider. Ob Deutschlands größter TV-Konzern Pro Sieben Sat 1, der Spartensender DSF, die Sportrechteagentur Infront oder die Filmproduktionsgesellschaft Eos – alle Kernfirmen haben sich mit neuen Eigentümern nicht nur gut aus der Pleite gerettet, sondern schreiben heute ansehnliche Gewinne. Das Imperium lebt – und das Sagen haben zumeist Leute, die Leo Kirch ziemlich nahe standen.

In der Betastraße im Münchener Vorort Unterföhring dagegen ist die Zeit stehen geblieben. „Kirch-Gruppe“ steht unten am Eingang vor dem hässlichen braun-schwarzen Bürogebäude. Im Foyer hängt noch immer das aus Filmrollen stilisierte „K“. Hier lagern in einem riesigen, permanent auf zwölf Grad gekühlten Hochregallager 800 000 einzelne Filmrollen, darunter auch „La Strada“, mit dem Kirch einst seinen Aufstieg begann. 11 000 Spielfilme und 40 000 Stunden TV-Unterhaltung werden hier verwahrt. Es ist die legendäre Filmbibliothek Kirchs, die Ex-Kirch-Geschäftsführer Karl Mauthe mit zwölf Mitarbeitern im Auftrag des Insolvenzverwalters betreut. Die meisten Rechte sind bis 2012 vergeben. Dann wird neu verhandelt. Was bleibt, sind die Originale auf Zelluloid.

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