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05.03.2007 
Apple

Wie eine Kirche

von Matthias Hohensee und Wirtschaftswoche

Die Produktpleiten und Absatzprobleme sind Geschichte. Binnen zehn Jahren hat Steve Jobs Apple wieder flottgemacht. Nun baut er das einstige Computerunternehmen zum Unterhaltungskonzern des 21.Jahrhunderts um. Welchen Coup landet er wohl als Nächstes?

Steve Jobs und Apple: Trendsetter in Sachen Digital Lifestyle. Foto: apLupe

Steve Jobs und Apple: Trendsetter in Sachen Digital Lifestyle. Foto: ap

Welche Idole hat ein Idol? Bob Dylan, John Lennon, Gandhi, Albert Einstein - Steve Jobs hat eine ganze Reihe. In seinem Haus in einer von Bäumen gesäumten Mittelklasse-Nachbarschaft im kalifornischen Palo Alto hat der Gründer von Apple auch zwei Unternehmerporträts aufgehängt: von Henry Ford und Walt Disney. Jobs hat etwas von beiden. Ford machte das Auto für die Massen erschwinglich - Apple den Heimcomputer. Walt Disney verzauberte Generationen mit seinen Werken - ebenso wie iPod und Mac quer durch alle Altersgruppen Emotionen wecken.

Vor zehn Jahren kehrte Jobs zu seinem Unternehmen zurück - das ihn 1985 im Streit vor die Tür gesetzt hatte. Als er 1997 kommissarisch den Posten als Vorstandschef übernahm, war der einst bahnbrechende Computerhersteller nur noch ein Schatten seiner selbst, mit Absatzproblemen, verwirrender Modellpalette und demoralisierter Belegschaft. Konkurrent Michael Dell stichelte, Jobs solle die Firma am besten auflösen und das Geld an die Aktionäre zurückgeben.

Heute ist Apple an der Börse gut ein Drittel mehr wert als Dell, fast 20 Milliarden Dollar macht der Unterschied aus. "Team: Es hat sich herausgestellt, dass Michael Dell doch nicht so perfekt in die Zukunft schauen konnte", schrieb Jobs im Januar 2006 in einer E-Mail an seine Mitarbeiter, als Apple erstmals den Konkurrenten übertraf.

Sony des 21. Jahrhunderts

Das zehnte Jubiläum der Rückkehr feierte Jobs auf seine eigene Art. Anfang Januar kürzte er den Firmennamen ab - Apple Computer ist jetzt Apple Inc. Aus dem Computerhersteller soll ein Unterhaltungselektronikgigant werden. Sony, der Erfinder des Walkmans, war der Vorreiter des vergangenen Jahrhunderts. Apple schwingt sich mit dem iPod und dem vor wenigen Wochen präsentierten Multimediahandy iPhone auf zum Sony des 21. Jahrhunderts.

Welchen Coup landet Jobs als Nächstes? "Er wird versuchen, das Geschäft mit PDAs, persönlichen digitalen Assistenten, neu zu definieren", sagt Paul Saffo, Amerikas prominentester Zukunftsforscher und intimer Apple-Kenner. "Beispielsweise durch einen ultraleichten und schlanken Laptop." Außerdem wird Apple alles daran setzen, den Erfolg von iPod und der Musikbibliothek iTunes mit Filmen und Fernsehen zu wiederholen. Und im einstigen Stammgeschäft mit Computern wird Jobs Microsofts Windows-Nachfolger Vista mit einer neuen Version seines Betriebssystems Mac OS X kontern.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ausgerechnet Apples vermeintliche Schwächen entgegen kommen Steve Jobs entgegen.

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