Wie Unternehmen Second Life nutzen
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Neue Mitarbeiter in ein Unternehmen zu integrieren ist keine leichte Aufgabe. Erst recht nicht, wenn es 20 000 in einem Jahr sind und sich diese über den gesamten Erdball verteilen. Der IT-Dienstleister IBM geht deshalb neue Wege: Wenn sich die Neuen schon nicht in der realen Welt treffen – in der virtuellen können sie es jederzeit.

DÜSSELDORF. IBM hat Second Life neu entdeckt: Der IT-Konzern lädt seine Beschäftigten dazu ein, sich auf dem weitläufigen Komplex des Konzerns in der Internetkunstwelt zu beschnuppern. „Die dreidimensionale Umgebung macht Begegnungen lebensnäher und hilft dabei, soziale Kontakte zu knüpfen“, sagt IBM-Personalmanagerin Sandra Neubauer, zuständig für Weiterbildung in virtuellen Welten. Denn persönliche Vernetzung ist bei fast 390 000 Mitarbeitern in über 170 Ländern kein leichtes Unterfangen.

Doch nicht nur zur Kontaktpflege dient die virtuelle IBM-Welt. „Sie eröffnet auch zahlreiche neue Möglichkeiten, um Mitarbeiter weiterzubilden“, betont Neubauer.

Rund ein Jahr nach dem raschen Ende des Second-Life-Hypes entdecken die Unternehmen die virtuellen Welten allmählich wieder. Anders als während der ersten Welle setzen sie die dreidimensionale Internettechnik aber weniger dazu ein, um ihre Produkte zu vermarkten. Viele der teuer programmierten Filialen fristen heute ein trauriges Dasein abseits jeglicher Beachtung. Ein Unternehmen nach dem anderen hat seine Aktivitäten in Second Life still und heimlich begraben. Nach einer Schätzung des IT-Beratungshauses Gartner sind heute neun von zehn Projekten in Second Life gescheitert.

Inzwischen nutzen erste Firmen die virtuelle Begegnungswelt für interne Zwecke: In Gestalt von selbst geschaffenen künstlichen Personen, den sogenannten Avataren, versuchen sie, die Zusammenarbeit ihrer über die weite Welt verstreuten Mitarbeiter zu erleichtern und die Fortbildung zu vereinfachen. Willkommener Nebeneffekt: Die Distanz zu den Vorgesetzten schwindet.

Viele der Projekte befinden sich noch in der Testphase – die Firmen haben dazugelernt. Die Ernüchterung nach der Euphorie um die virtuelle Parallelwelt für Kunden ist noch nicht vergessen. So experimentiert Konsumgüterhersteller Unilever seit April mit der Technik, um die Arbeit seiner über mehrere Kontinente und Zeitzonen verstreuten Teams zu verbessern. Der britisch-niederländische Konzern mit 179 000 Beschäftigten in 100 Ländern hat dafür zwar schon lange moderne Videokonferenz-Systeme. Virtuelle Welten ermöglichten aber Treffen größerer Gruppen und erleichterten den Austausch von Informationen, beobachtet Projektmanagerin Kat Dawe.

Der amerikanische IT-Konzern Sun Microsystems nutzt die Technik seit längerem zu diesem Zweck und betont, wie positiv sie sich auf den Zusammenhalt unter den Kollegen auswirkt. Auch Experten halten die Projekte für vielversprechend. „Der dreidimensionale Raum bietet eine natürliche Umgebung für Diskussionen unter mehreren Teilnehmern“, sagt Gartner-Experte Steve Prentice.

Diese Eigenschaft nutzen einige Unternehmen auch für Schulungen. IBM etwa führt in einem Pilotprojekt in Indien und China neue Mitarbeiter mit Hilfe von Second Life in die Werte und Abläufe des Konzerns ein. „Das Tolle ist, dass auch Mitarbeiter, die Tausende von Kilometern voneinander entfernt sind, die Möglichkeit haben zu interagieren und Ideen auszutauschen“, erzählt Neubauer.

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