Wieder ein Blatt weniger: „Abendzeitung“ aus München geht in die Insolvenz

Wieder ein Blatt weniger
„Abendzeitung“ aus München geht in die Insolvenz

Seit 2001 machte sie 70 Millionen Euro Verlust – und keine Besserung in Sicht: Die Münchener „Abendzeitung“ hat Insolvenzantrag gestellt. 110 Mitarbeiter sind betroffen, der Insolvenzverwalter gibt sich optimistisch.
  • 4

MünchenDie traditionsreiche Münchner „Abendzeitung“ kämpft ums Überleben. Am Mittwoch stellte das Blatt beim Amtsgericht München Insolvenzantrag, wie der Verlag in München mitteilte. Die Familie Friedmann als Eigentümerin sehe sich nicht mehr in der Lage, weitere Mittel zur Verfügung zu stellen.

„Die Gesellschafter und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der 'Abendzeitung' hoffen, dass im Insolvenzverfahren ein Investor gefunden werden kann, damit der traditionsreiche Titel weiter erscheinen kann“, hieß es weiter. 110 Mitarbeiter sind betroffen, davon rund 50 in der Redaktion. Die AZ hatte in den 80er Jahren Pate gestanden für die erfolgreiche TV-Serie „Kir Royal - Aus dem Leben eines Klatschreporters“.

Nach Angaben der Geschäftsführung summierten sich die Verluste seit 2001 auf rund 70 Millionen Euro. Das Jahr 2013 endete mit einem Minus von etwa zehn Millionen Euro. Nach zwei weiteren rückläufigen Monaten 2014 sei keine Besserung in Sicht. Das weitere Erscheinen des Blattes sei aber zunächst gesichert. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Axel W. Bierbach von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach bestellt.

„Wir sind traurig und geschockt. Aber wir geben nicht auf“, kündigte die Redaktion auf der AZ-Onlineseite in eigener Sache an, auch im Namen von Anzeigenabteilung, Vertrieb und allen andere Teilen des Verlages. Unter der Überschrift „Wir machen weiter - für Sie“ zeigte ein Bild die versammelte Redaktion am Mittwoch im AZ-Newsroom am Münchner Rundfunkplatz.

Die finanziellen Schwierigkeiten der Boulevardzeitung mit einer verkauften Auflage von rund 100 000 Exemplaren waren waren seit längerem bekannt. In München buhlen gleich mehrere Boulevardzeitungen um die Gunst der Leser: neben der AZ auch die „tz“, die zur Ippen-Gruppe gehört, und die „Bild“-Zeitung mit eigenem Regionalteil. Zum Verlag Die Abendzeitung gehörte früher auch die „Abendzeitung Nürnberg“, die 2010 vom Telefonbuch-Verleger Gunther Oschmann gekauft wurde und 2012 nach 93 Jahren eingestellt wurde.

Die Zeitungslandschaft in Deutschland hatte zuletzt einige Hiobsbotschaften mit Schließungen, Arbeitsplatzabbau oder Umstrukturierungen zu verkraften. 2012 meldete Anfang November die traditionsreiche „Frankfurter Rundschau“ („FR“) Insolvenz an. Wenig später erschien die angesehene, aber chronisch defizitäre „Financial Times Deutschland“ („FTD“) letztmals. Die „FR“ wurde schließlich von der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ GmbH („FAZ“) und der Frankfurter Societät GmbH übernommen.

Seite 1:

„Abendzeitung“ aus München geht in die Insolvenz

Seite 2:

1948 erschien die Abendzeitung das erste Mal: unter amerikanischer Lizenz

Kommentare zu " Wieder ein Blatt weniger: „Abendzeitung“ aus München geht in die Insolvenz"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich will einmal ohne Hektik, meine Zeitung lessen.

  • ich will die klarnamendatei aus der insolvenzmasse

  • schade, manchmals moechte man auch was ganz "gewoehnliches" lessen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%