Windeln als Einstieg
Amazon drängt ins Kinderzimmer

Der amerikanische Online-Händler Amazon kauft für eine gute halbe Milliarde Dollar den boomenden Windel-Versender Diapers.com. Die Hersteller freut's - und die Eltern sollen nun zu treuen Kunden werden. Der Schritt passt zu seiner Strategie, in immer neue Felder vorzustoßen.
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MÜNCHEN, DÜSSELDORF. Das frisch bezogene Hauptquartier der deutschen Niederlassung des Online-Händlers Amazon befindet sich auf einer Baustelle im Münchener Stadtteil Schwabing. Hier wuchert ein modernes Büroviertel, überragt von einem gläsernen Doppelturm. Der Eindruck täuscht nicht: Amazon wächst und gibt dafür viel Geld aus. Der jüngste Deal: Für 545 Mio. Dollar wollen die Amerikaner jetzt den Windel-Versender Diapers.com übernehmen. Das teilten beide Partner gestern mit.

Der Kauf bringe zwei Unternehmen mit ähnlichen Service-Vorstellungen zusammen, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos. Der Schritt passt zu seiner Strategie, in immer neue Felder vorzustoßen. 300 Mio. Dollar Umsatz hat die Diapers.com-Mutter Quidsi für dieses Jahr angekündigt; 2012 sollen es mit Windeln, Baby- und Drogerie-Artikeln schon 1,3 Mrd. Dollar sein. Um 67 Prozent ist der Umsatz dieses Jahr gewachsen - schneller als Amazon mit erwarteten 39 Prozent, und erst recht schneller als der gesamte US-Online-Handel mit 27 Prozent Wachstum.

Windelmarkt ist heiß umkämpft

Der Clou an dem Geschäft von Diapers.com ist das Abo-Modell, mit dem der Versender die Eltern an sich bindet. Gegen einen Rabatt bekommen diese regelmäßig Windelpakete zugeschickt. "Die Leute bei Diapers.com haben damit einen guten Job gemacht", sagte Josh Goldman, Partner bei Northwest Ventures in Kalifornien, zu Bloomberg.

Etwa 2 000 Windeln verbraucht ein Kind heute im Durchschnitt. Alleine in den USA werden rund 27 Mrd. Stück im Jahr verkauft. Marktführer Pampers, nach Angaben des US-Herstellers Procter & Gamble die meistverkaufte Windel der Welt, spülte zuletzt Schätzungen zufolge rund acht Mrd. Dollar in die Kassen des Konzerns.

Der Markt allerdings ist heiß umkämpft. Mit der weltweit sinkenden Geburtenrate geht auch der Windelabsatz zurück. Der Online-Verkauf soll nun Kunden binden. Procter & Gamble etwa vertreibt seine Pampers neuerdings auch über die Seite des sozialen Netzwerks Facebook. Abwicklung und Lieferung übernimmt auch hier Amazon.

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  • Super idee, in Deutschland werden aber dummerweise inzwischen mehr inkontinenzwindeln verkauft als babywindeln.

    Aber Amazon hat auch jahrelanges geübtes Talent danebenzugreifen.

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