Windeln.de
Ein Börsengang auf Windeln gebaut

Das Online-Kaufhaus Windeln.de geht an die Börse und Deutsche Bank und Goldman Sachs verdienen daran. Wer die Aktie kauft, muss sich aber vor allem für chinesische Baby-Popos interessieren.
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DüsseldorfDer Erfolg von Zalando und Rocket Internet hat offenbar Mut gemacht: Mit Windeln.de will der nächste deutsche Online-Händler an die Börse. Das Münchner Unternehmen plant, in diesem Jahr bis zu 200 Millionen Euro einzusammeln, wie es am Freitag mitteilte. Bis zu 120 Millionen Euro fließen in die Kasse des Babyausstatters, der Rest der Anteile stammt von den bisherigen Gesellschaftern. „Wir wollen das Geld ins langfristige Wachstum unseres Unternehmens investieren“, sagte Mitgründer und Firmenchef Alexander Brand im Gespräch mit dem Handelsblatt. So werde Windeln.de das Sortiment ausweiten und ins Ausland expandieren.

Wann genau die Erstnotiz erfolgen soll, teilte das Unternehmen nicht mit. In der Regel vergehen nach der Ankündigung des Börsengangs rund vier Wochen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters peilt es eine Bewertung von 500 bis 600 Millionen Euro an. Das Interesse der Finanzwelt ist offenbar groß: Erst Anfang des Jahres hatte eine Gruppe Investoren 45 Millionen Euro Kapital gegeben, darunter die Deutsche Bank und Goldman Sachs, die nun auch den Börsengang gemeinsam mit BofA Merrill Lynch federführend begleiten.

Auch wenn die Windeln im Namen stehen: Das große Geld verdient das Unternehmen damit nicht. Die Margen sind relativ niedrig, ebenso bei Babynahrung. Doch diese Produkte erfüllen einen Zweck: Eltern benötigen sie immer wieder – und kommen daher immer wieder auf die Website. „Windeln sind häufig das Produkt, das Eltern zuerst bei uns kaufen. Da die Wiederkaufsrate hoch ist, haben wir niedrige Marketingkosten“, sagt Brand. Im Schnitt seien sechs Artikel im Warenkorb, neben Windeln und Babynahrung gibt es etwa Mode, Kinderspielzug und seit kurzem Möbel. „Diese Produkte sollen uns profitabel machen“, sagt Brand. Insgesamt 100.000 Artikel sind derzeit im Angebot.

Mit der Kapitalinfusion will das Unternehmen sein Sortiment ausweiten. „Bei uns können Sie gut einkaufen, wenn das Kind klein ist“, erklärt Brand. „Wenn es älter ist, verlieren wie Sie als Kunden.“ Das soll sich ändern, etwa mit Kleidung für ältere Kinder, die über andere Portale angeboten werden soll – in der Schweiz betreibt die Firma neben windeln.ch beispielsweise die Websites kindertraum.ch und toys.ch, die auf der gleichen technischen Plattform laufen. Zudem will das Management ins Marketing investieren, um mehr Käufer zu gewinnen. Derzeit hat es 500.000 aktive Kunden.

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Gute Chancen gegen Amazon & Co. – auch in China

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