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09.10.2006 
Im Gespräch mit T-Mobile-Chef René Obermann

„Wir sind in den USA kein Billigheimer“

von Die Fragen stellte Sandra Louven

Gemeinsam mit Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hat René Obermann die Vertriebsfäden bei der Deutschen Telekom in der Hand. Mit dem Handelsblattblatt spricht der Chef der Mobilfunksparte über den Ausbau es US-Geschäfts und die Preise in Deutschland.

T-Mobile Chef René Obermann ist inzwischen für einen großen Teil des Vertriebs im gesamten Konzern zuständig. Foto: dpaLupe

T-Mobile Chef René Obermann ist inzwischen für einen großen Teil des Vertriebs im gesamten Konzern zuständig. Foto: dpa

Herr Obermann, Sie haben umgerechnet 3,3 Mrd. Euro für Mobilfunklizenzen in den USA ausgegeben – mehr als jeder andere Anbieter. Ist es das wirklich wert?

Wir haben die meisten Lizenzen ersteigert und unsere Frequenzkapazitäten in den Top-100- Märkten verdoppelt. Das ist für die weitere Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Relativ betrachtet ist die Auktion günstig ausgegangen: Wir haben fast 40 Prozent weniger gezahlt als bei vergleichbaren Auktionen in den USA in der Vergangenheit.

Was haben Sie jetzt mit den zusätzlichen Lizenzen vor?

Wir wollen ab Mitte kommenden Jahres mit mobilen Breitbanddiensten starten und unser Netz schrittweise weiter ausbauen. Außerdem nutzen wir das neue Netz, um in Ballungsgebieten wie New York mehr Gespräche abwickeln zu können und bislang unversorgte Gebiete zu erschließen.

Wie teuer wird der Netzausbau?

Wir wollen in den kommenden drei Jahren circa zwei Mrd. Euro zusätzlich für den Aufbau eines neuen mobilen Breitbandnetzes investieren. Die Gesamtinvestitionen in den USA belaufen sich für diesen Zeitraum auf circa sieben Mrd. Euro. Der Rest geht in den Ausbau des bestehenden Netzes und andere Investitionen wie den Ausbau unserer Shops und die Entwicklung neuer Serviceplattformen.

Analysten hatten ursprünglich höhere Investitionen als zwei Mrd. Euro für das neue Netz erwartet.

Wir profitieren vom Timing unseres Ausbaus: Die Preise für die Infrastruktur sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, gleichzeitig ist die Technik besser geworden.

Ziemlich hohe Ausgaben für den kleinsten US-Mobilfunkanbieter, der sie ja bis heute sind.

Moment: Man darf den US-Markt nicht isoliert betrachten. Weltweit ist T-Mobile mit 101 Millionen Kunden einer der größten Anbieter. Gerade in den USA profitieren wir erheblich von den globalen Skaleneffekten. Das macht sich zum Beispiel in Einkaufsvorteilen bei der Infrastruktur und bei den Endgeräten bemerkbar. Auch deshalb fällt der Aufbau des neuen Netzes deutlich günstiger aus, als mancher Experte erwartet hat. Wir erzielen weltweit Synergien von fast 1,5 Mrd. Euro im Jahr. Rund ein Drittel davon kommt den USA zu Gute.

In den USA haben sie die niedrigsten Tarife. Wie gefällt Ihnen die Rolle des Billigheimers?

Da möchte ich entschieden wieder-sprechen, wir sind kein Billigheimer! Wir bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Wir sind in den USA in Sachen Kundenservice führend und haben gerade zum vierten Mal in Folge bei der größten unabhängigen Befragung den Preis für die höchste Kundenzufriedenheit gewonnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Obermann über die Möglichkeit einer Partnerschaft auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt und den Kundenschwund im Festnetz.

Sie bieten in den USA nur Mobilfunk an. Der Trend geht aber zu Kombi-Produkten aus Mobilfunk und Festnetz. Brauchen Sie in Amerika einen Festnetzpartner?

Über integrierte Kombi-Angebote wird seit vielen Jahren gesprochen. Ob sie sich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Wir konzentrieren uns in den USA auf den Mobilfunk und greifen damit nicht nur unsere direkten Wettbewerber an, sondern auch die Festnetzanbieter. Das gelingt auch sehr gut: Die amerikanischen Vertragskunden telefonieren mit 17 Stunden im Monat jetzt schon fast sechs Mal so lange mit dem Handy wie die Europäer.

Anders als der US-Mobilfunkmarkt ist der deutsche längst gesättigt. Die Preise sind 2006 um 13 Prozent gesunken. Nähern wir uns dem Ende dieser Talfahrt?

Nein, das glaube ich nicht. Die Preise werden in den kommenden Jahren weiter fallen, möglicherweise noch stärker als die 13 Prozent. Aber da-durch nimmt auch die Nutzung von Mobilfunk zu. Ich bin zuversichtlich, dass wir zumindest auf lange Sicht den Preisverfall durch mehr mobile Gespräche und vor allem durch die steigende Nutzung von Daten-Anwendungen kompensieren können.

Sie haben vor Kurzem zusätzliche Verantwortung erhalten und leiten jetzt einen Großteil des Vertriebs für den gesamten Konzern.

Das ist eine wichtige zusätzliche Aufgabe: Die Stärkung des Privatkundenvertriebs für T-Mobile und T-Com in Deutschland spielt eine entscheidende Rolle für den Gesamtkonzern.

Der hat im ersten Halbjahr über eine Million Kunden im Festnetz verloren. Was wollen Sie tun, um die Kunden zu halten?

Die Kollegen der T-Com haben mit ihren neuen Kombi-Angeboten für Internet- und Telefonanschluss schon wichtige Verbesserungen bei den Produkten erreicht. Meine Aufgabe ist es jetzt vor allem, den Fachhandel nicht nur für T-Mobile, sondern auch noch stärker für T-Com-Produkte zu begeistern. Darüber hinaus müssen wir die Wartezeiten in den T-Punkten verkürzen. Zudem brauchen wir neue IT-Systeme, um auf einen Blick zu sehen, welche unserer Produkte der Kunde nutzt. Bisher müssen unsere Shop-Mitarbeiter auf mehrere Datenbanken zugreifen, um zu erkennen, welche Festnetz- und Mobilfunkprodukte unsere Kunden von uns haben.

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