Wirtschaftsblatt fusioniert Internet- und Printredaktion
„La Tribune“ startet neues Layout

Das Wirtschaftsblatt „La Tribune“ bringt Bewegung in die französische Medienlandschaft: Am kommenden Montag startet die Tageszeitung mit einem grundlegend veränderten Erscheinungsbild. Für „La Tribune“ ist es die radikalste Layout-Reform ihrer Geschichte. Doch die Veränderungen betreffen nicht nur das visuelle Erscheinungsbild der Zeitung.

PARIS. Damit antworte „La Tribune“ auf die seit Jahren anhaltende schwere Zeitungskrise in Frankreich, sagte Chefredakteur Francois-Xavier Pietri. Ziel sei vor allem, besser auf die im Internet-Zeitalter veränderten Leserbedürfnisse einzugehen. Die Zeitung kooperiert redaktionell mit dem Handelsblatt.

Das von dem auch in Deutschland bekannten Zeitungsdesigner Mario Garcia entwickelte neue Layout bringt mehrere Innovationen auf den französischen Zeitungsmarkt. Als erstes französisches Blatt bietet „La Tribune“ seinen Lesern auf den Seiten zwei und drei einen kompletten Überblick über die Nachrichten des Tages inklusive eines Hinweises auf das aktuelle Internetprogramm des Blattes. Auch das völlig flexible Layout auf der Seite eins mit beliebig formatierbaren Aufmachern und Bildern ist eine Premiere in Frankreich.

Neu ist zudem die Führung durch das Blatt mit Farben: Grün für die Unternehmensberichterstattung, Blau für den Finanz- und Börsenteil, Gelb für die Wirtschaftspolitik, Rot für Meinung und Reportage. Auf der letzten Seite kommen künftig die Leser zu Wort. Hier werden Meinungen aus dem Chatroom von „La Tribune“ publiziert.

Die Veränderungen bei „La Tribune“ betreffen nicht nur das Layout. Die Zeitung reformiert ihre gesamte Struktur: Die Redaktionen des Online-Angebots und der Zeitung wurden zusammengelegt. Das Blatt führte außerdem ein neues elektronisches Redaktionssystem ein, in dem Web und Print besser als bisher verknüpft sind. „Wir wollen die neuen Medien in die Zeitung integrieren“, erläuterte Chefredakteur Pietri.

„La Tribune“ hofft, mit den strukturellen Veränderungen nach verlustreichen Jahren wieder in die Gewinnzone vorzustoßen und neue Leser zu gewinnen. Derzeit hat das Blatt, das zum Luxuskonzern LVMH gehört, eine Auflage von knapp 80 000 Exemplaren. Ebenso wie „La Tribune“ sind die meisten französischen Tageszeitungen seit Jahren defizitär. Dem linken Blatt „Libération“ steht deshalb der härteste Sozialplan seiner Geschichte bevor. Auch die größten Tageszeitungen des Landes, „Le Monde“ und „Le Figaro“, verlieren Geld. Profitabel sind nur „Les Echos“, „La Croix“ und „Le Parisien“.

Experten halten die anhaltende Pressekrise zumindest teilweise für hausgemacht. Die Zeitungen hätten neue Bedürfnisse der Leser viele Jahre lang ignoriert. „Beim Design hinkte Frankreichs Tagespresse anderen Ländern bisher um 20 Jahre hinterher. Erst in allerletzter Zeit haben sie dazu gelernt und holen auf“, sagte Zeitungsdesigner Garcia.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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