Wirtschaftskrise: Rezession trifft Filmstudios in Hollywood hart

Wirtschaftskrise
Rezession trifft Filmstudios in Hollywood hart

Hollywood - die Traumfabrik. Für die Filmstudios wird jetzt die Wirtschaftskrise zum Alptraum. Bei den Beschäftigten geht die Angst um. Denn Stellenstreichungen drohen. Wie eine Branche versucht, das Schlimmste zu verhindern.

DÜSSELDORF. Die Rezession der US-Wirtschaft ist in Hollywood angekommen. Eine Entlassungswelle erschüttert die großen Filmstudios. So will Warner Bros. rund 800 Arbeitsplätze wegen der schlechten Konjunkturaussichten streichen. Das geht aus einer E-Mail hervor, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegt. Derzeit beschäftigt die im kalifornischen Burbank ansässige Filmtochter des weltgrößten Medienkonzerns Time Warner noch etwa 8 000 Menschen.

Der Mutterkonzern Time Warner befindet sich seit Monaten in schwerem Fahrwasser. Er prognostiziert für 2008 einen Verlust. Konzernchef Jeff Bewkes rechnet mit Abschreibungen von rund 25 Mrd. Dollar vor Steuern. Davon stammen allein 15 Mrd. Dollar aus der Kabelsparte. Der restliche Betrag stammt aus Abschreibungen im Verlags- ("Time", "Fortune") und Internetbereich (AOL). 2007 hatte Time Warner noch ein Gewinn von 8,9 Mrd. Dollar erzielt. Der Medienriese will sein börsennotiertes Kabelgeschäft verkaufen.

Auch andere Film- und Fernsehstudios sind vom Einbruch der US-Wirtschaft arg gebeutelt. Der Medienkonzern NBC Universal, eine Tochter des Mischkonzerns General Electric, hatte im vergangenen Monat angekündigt, 500 Arbeitsplätze zu streichen. Das Hollywood-Studio Paramount und die Musiksenderkette MTV betreiben einen massiven Stellenabbau. Der Mutterkonzern Viacom kündigte den Abbau von 850 Arbeitsplätzen an. Auch das Hollywood-Studio Dreamworks des Regisseurs und Medienunternehmers Steven Spielberg geht einer unsicheren Zukunft entgegen. Die Finanzierung von 35 Filmen in den nächsten sieben Jahren durch amerikanische Banken wie J.P. Morgan und durch das indische Medienunternehmen Reliance Entertainment des Milliardärs Anil Ambani steht in den Sternen.

Die harten Sparmaßnahmen treffen Warner Bros. hart. Denn im Kinojahr 2009 hatte das traditionsreiche Studio einen exzellenten Start. Vor allem wegen des Erfolgs des Clint-Eastwood-Streifens "Gran Torino" katapultierte sich Warner Bros. hinter der News-Corp.-Tochter Fox an die zweite Stelle im Heimatmarkt USA. In den ersten zwei Wochen des Jahres nahm das Studio knapp 62 Mio. Dollar ein. Das entspricht einen Marktanteil von rund 18 Prozent. Im vergangenen Jahr war Warner Bros. Marktführer unter den Hollywood-Studios.

2008 blieben die Umsätze der US-Kinos konstant. Nach Angaben des US-Marktforschungsinstituts Media by Numbers lagen die Erlöse bei 9,68 Mrd. Dollar. Das ist ein Minus von nur 0,9 Prozent.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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