Wirtschaftskrise und Bilanzskandal
Indiens IT-Dienstleister fallen tief

Die Wirtschaftskrise und der Bilanzskandal bei Indiens viertgrößtem IT-Dienstleister Satyam rauben der lange umjubelten Vorzeigebranche den Glanz. Amerikanische und europäische Kunden zweifeln nach dem Betrug an der Glaubwürdigkeit der indischen IT-Unternehmen. Experten fürchten nun massive Einbrüche bei der gesamten Sparte.

NEU-DELHI. Indiens Marktführer bei IT-Dienstleistungen, Tata Consultancy Services (TCS), gab am Donnerstag einen deutlichen Rückgang seines Gewinns bekannt. Im dritten Quartal bis 31. Dezember erzielte das zum Mischkonzern Tata gehörende Unternehmen mit Sitz in Bombay einen Nettogewinn von 276 Mio. US-Dollar. Das sind knapp 15 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Rohertrag (Nettoumsatz minus Einkaufspreis der Waren ohne Vorsteuer) stagnierte bei 1,48 Mrd. Dollar.

Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr und die weitere Geschäftsentwicklung wollte TCS-Vorstandschef Subramaniam Ramadorai nicht abgeben. Die Wirtschaftskrise habe das Marktumfeld verschlechtert, sagte er lediglich. TCS erzielt etwa die Hälfte des Umsatzes mit der Programmierung und Betreuung von Computersystemen und Kundendaten internationaler Finanzkonzerne.

Branchenexperten rechnen mit einem massiven Einbruch bei Indiens erfolgsverwöhnten IT-Dienstleistern. „Der an Wachstumsraten von 25 Prozent gewöhnten Branche droht eine Phase der Stagnation“, glaubt Wolfgang Messner, Managing Consultant bei der Unternehmensberatung Capgemini in Bangalore. Ursache sei nicht nur die Wirtschaftskrise, sondern auch der erhebliche Vertrauensverlust amerikanischer und europäischer Kunden infolge des Bilanzbetrugs bei Satyam Computer Services.

Vergangene Woche hatte der Gründer und Chef von Satyam, Ramalinga Raju, gestanden, die Bilanz des in Hyderabad ansässigen Unternehmens jahrelang geschönt und die Barreserven um eine Mrd. US-Dollar aufgeblasen zu haben. Satyam mit knapp 53 000 Beschäftigten braucht dringend Liquidität, um der Pleite zu entgehen. Die Hoffnung auf öffentliche Finanzhilfe erlitt am Donnerstag einen Rückschlag. Indiens Minister für Unternehmensangelegenheiten, Prem Cham Gupta, sagte, es gebe von Satyam bisher keine Anfrage nach einem staatlichen Rettungspaket.

Die Wartung von Computersystemen braucht hohes Vertrauen beim Kunden. Davon sei nun nicht mehr viel übrig, sagte die Vertreterin eines britischen Unternehmens in Neu-Delhi, das seine Daten in Indien verwalten lässt. Die miserable Corporate Governance von Firmen wie Satyam schüre bei den internationalen Auftraggebern die Angst vor Datenmissbrauch. Bisher hatten Indiens IT-Dienstleister geglaubt, sie würden von der globalen Wirtschaftskrise sogar profitieren, indem noch mehr Firmen die Pflege ihrer Computersysteme ins billige Ausland verlagern.

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