Wissenschaftsverlag
Springer Science will im Sommer an die Börse

Noch vor der Sommerpause will der Verlag Springer Science seinen Börsengang unter Dach und Fach bringen. Die Einnahmen sollen dem renommierten deutschen Wissenschaftsverlag helfen, Schulden abzubauen.
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FrankfurtAus einem Verkauf des hoch verschuldeten Fach- und Wissenschaftsverlages Springer Science + Business (Ärzte-Zeitung, Gabler) wird wahrscheinlich doch nichts. Das Berliner Unternehmen bereitet einen Börsengang im Frühsommer vor. Wie die beiden Gesellschafter, der schwedische Finanzinvestor EQT und der singapurische Staatsfonds GIC, am Mittwoch mitteilten, sollen durch den Verkauf von Anteilen 760 Millionen Euro erzielt werden. Das Geld soll zum Schuldenabbau bei Springer Science + Business verwendet werden. Auch künftig werden EQT und GIC an dem Fachverlag die Mehrheit behalten. Goldman Sachs, JP Morgan begleiten den möglichen Börsengang.

Ganz haben die Gesellschafter die Hoffnungen  einen Weiterverkauf noch nicht aufgegeben. Lauter Reuters läuft der Prozess weiter, drei Finanzinvestoren sollen bis zu 3,5 Milliarden Euro für den Fachverlag bieten. Die Entscheidung über einen Börsengang werde in den nächsten beiden Wochen fallen. EQT-Deutschland-Chef Marcus Brennecke hält sich unterdessen alle Möglichkeiten offen: „Ich hätte auch keine Probleme damit, die Firma noch ein paar Jahre zu halten.“ Mit dieser Verkaufsstrategie wollen die EQT und GIC den Preis hochtreiben. Ob das wirklich gelingt, bezweifeln allerdings Marktteilnehmer.

Lange Zeit galt Bertelsmann als der Favorit für einen Übernahme von Springer Science + Media. Doch angesichts der nach Meinung mancher Marktteilnehmer überteuerten Preisvorstellung winkte Europas größter Medienkonzern dankend ab. Dabei wäre der Kauf für Springer Science eine Heimkehr gewesen. Dann viele Jahre gehörte der Fachverlag zum Medienimperium der Gütersloher. Doch in seiner Geldnot verkauft der damaligen Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen 2004 den hoch rentablen Verlag für gerade 1,05 Milliarden Euro an die beiden Finanzinvestoren Cinven und Candover. Das Tandem wiederum gab das Unternehmen für 2,3 Milliarden Euro vor drei Jahren an EQT und GIC ab.

Unter den Interessenten war früher auch die Stuttgarter Verlagsgruppe Klett genannt.

Springer Science + Business gilt mit 7000 Mitarbeitern als einer der größten Fach- und Wissenschaftsverlag der Welt. Im vergangenen Jahr erzielte das bereits 1842 gegründete Unternehmen Erlöse von 976 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 344 Millionen Euro. Bei einem Börsengang würde Springer Science mit bis zu vier Milliarden Euro bewertet.

Mit Material von Reuters.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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