Wunschliste von Andreas Bartl: Eigenproduzierte Serien bei ProSieben

Wunschliste von Andreas Bartl
Eigenproduzierte Serien bei ProSieben

Die Zuschauer, vor allem die für die werbetreibende Industrie so wichtigen 14- bis 49-Jährigen, sollen unterhalten werden. Aber unterhaltendes Programm in gewissenhafter Kontinuität zu produzieren ist nicht einfach, wenn immer wieder Gesellschafterfragen die Planungen des Senders beeinflussen.

HB HAMBURG. Nach der Verschmelzung von Sat.1 und ProSieben zur ProSiebenSat.1 Media AG, der Übernahme des Konzerns durch den Großaktionär Haim Saban und dem gescheiterten Verkauf an die Axel Springer AG steht der Sender vor programmlichen Herausforderungen, die vielleicht größer denn je sind.

Eben diesen Herausforderungen muss sich der neue Geschäftsführer, Andreas Bartl, stellen. Der 42-Jährige, seit Dezember 2005 im Amt, will trotz der ungewissen Zukunft in Gesellschafterfragen den Sender mit neuen Ideen wieder nach vorne bringen. Denn die Anziehungskraft, die ProSieben noch in den neunziger Jahren auf seine Zuschauer hatte, ließ in den vergangenen zwei Jahren unter der Führung des glücklosen Dejan Jocic weiter nach. Zuletzt erzielte der Sender unter allen Zuschauern im Jahr 2005 einen Marktanteil von 6,7 Prozent und fühlt schon den Atem von Vox oder RTL II im Nacken. Bei den jüngeren Zuschauern fiel ProSieben mit 11,7 Prozent hinter das eher auf ein familiäres Publikum ausgerichtete Sat.1 zurück.

Bartl sagt, er wolle „ProSieben reloaded“, die Marke schärfen, alte Stärken des Senders im Fictionbereich neu beleben und den Eigenproduktionsbereich ankurbeln. Bartl, der bereits 1991 als Filmredakteur bei ProSieben anfing und zuletzt Kabel 1 führte, wird vom 1. März an den Nachmittag neu ordnen und die Formate „Unsere Straße“ um 14.30 Uhr und „Lebe Dein Leben! Life-Coaching mit Detlef D! Soost“ (15.30 Uhr) einführen. Unter anderem entfällt die Show „Das Geständnis“. Am Vorabend wird ab 27. März immer um 18 Uhr „Lotta in Love“ im Konzert der Telenovelas mit anderen Sendern konkurrieren.

Filme und eigenproduzierte Serien stehen auf Bartls Wunschliste. Doch ob Bartl das Ruder noch einmal zurückreißen kann, bleibt abzuwarten. Zwischendurch hat es viele Rückschläge bei den Bestrebungen gegeben, die Programmvielfalt zu steigern. Eigenproduktionen wie zuletzt „Alles außer Sex“ schnitten oft enttäuschend ab. Dennoch soll das Format in die zweite Staffel gehen.

Eventshows wie „Hire or fire“ endeten im Quotentief. Gegenwärtig wirbt Heidi Klum mit ihrem Laufsteg-Nachwuchs in „Germany's Next Topmodel“ unter starkem Pressewirbel um die Gunst des Publikums. Die Importware aus den USA ist nur noch in wenigen Fällen erfolgreich. Dank aufwendiger Werbung funktionieren die „Desperate Housewives“, „Lost“ dagegen mit Einschränkungen. Serien wie „Summerland Beach“, „Jake 2.0“ und „Queer as Folk“ sind kaum im Gespräch, und auch die hausgemachte Comedy tritt auf der Stelle. „Axel will's wissen“ schlug wie auch „Vorsicht! Der Comedy Ratgeber von A bis Z“ nicht ein. „Olm unterwegs“ aber funktioniert sonntagabends. Und ProSieben-Witzbold Stefan Raab, bis Ende 2007 unter Vertrag, hat Mühe, täglich zweistellige Marktanteilen zu erreichen. Der Sender plant mit dem Entertainer mehr abendfüllende Shows wie den „Bundesvision Contest“ am 9. Februar.

Hinter dem sinkenden Interesse verbirgt sich auch ein gesellschaftliches Problem, das alle Programmanbieter trifft: Als ProSieben in den neunziger Jahren reüssierte, musste sich das Fernsehen in der Breite noch nicht der Entertainment-Konkurrenz durch das Internet erwehren. Fernsehen und seine Neuerungen gelten nicht mehr bei der Zielgruppe als schick, vielmehr das Surfen, Chatten und Spielen am Computer. Ein Problem, das nicht nur ProSieben umschiffen muss, aber seine „spitze“ Ausrichtung macht es ProSieben besonders schwer. Die Gesamtnutzung des Mediums habe allerdings zugenommen, lautet das Argument der TV-Vermarkter in diesem Fall.

Aber ob die Zuschauer das Fernsehen wirklich noch als innovative Kraft verstehen und es konzentriert konsumieren, können auch Messungen und Umfragen nicht genau beantworten.

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