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Wut über Lizenzregeln: „Geh zum Teufel, Apple!“

Die Wut ist groß, die Wortwahl heftig. Apple zieht auf seiner iPhone-App-Plattform die Daumenschrauben für die Entwickler an. Apple verbietet darin den Einsatz von Hilfsprogrammen. Mit massiven Konsequenzen. Aber nur bei einen Unternehmen geht es bis an die Substanz: Adobe.

Neue Lizenzregeln machen Entwicklern von kleinen Programmen für das iPhone, so genannten Apps, das Leben schwer. Quelle: ap
Neue Lizenzregeln machen Entwicklern von kleinen Programmen für das iPhone, so genannten Apps, das Leben schwer. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Lee Brimelow ist nicht als Rüpel bekannt. Aber Freitagnacht brach es aus dem Chefstrategen bei Adobe für die Entwicklung der Flash-Plattform heraus. "Go screw yourself, Apple" lautete der ungewöhnlich emotionsgeladene Schlusssatz eines Eintrags in seinem privaten Blog. Frei übersetzt "Geh zum Teufel, Apple". Aber wer sich mit amerikanischem Slang auskennt, dem fallen auch weniger druckreife Übersetzungen ein. Es war ein einziger Satz in den neuen Lizenzbestimmungen für Entwickler von iPhone- und iPad-Apps, der den Web-Designer aus dem kalifornischen San Mateo so in Rage brachte. Doch der Satz hat es in sich.

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Apple verbietet darin den Einsatz von Hilfsprogrammen, Emulatoren oder Compiler genannt, die aus beliebigem Softwarecode fertige Apple-Apps erzeugen können. Apps müssen mit Sprachen erstellt werden, die Apple genehmigt hat, wie "Objective C+" oder "Javascript".

Mancher Entwickler wird deshalb seine Apps neu schreiben müssen. Aber nur bei einen Unternehmen geht es bis an die Substanz: Adobe. Ein solcher Compiler ist Highlight der neuen Version der Creative Suite von Adobe, Standard-Werkzeug in Mediaagenturen, Verlagen und Web-Unternehmen. Er soll genau das bieten: automatische Umformatierung von Flash-Applikationen in Apple-Apps, um Programmierern Doppelarbeit zu ersparen, wenn sie für das Internet, andere Smartphone-Plattformen und iPhones schreiben wollen. Das ist jetzt vorbei.

Heiße Diskussionen im Netz

Wechseln viele Kunden zu anderen Programmierumgebungen, könnten die Auswirkungen gravierend sein, warnte Adobe in einem Dokument an die Börsenaufsicht SEC. Das Geschäft könne "signifikant" beeinträchtigt werden, wenn es nicht gelinge, auf Plattformen wie iPhone oder iPad zum Einsatz zu kommen. Das Programmpaket (unter anderem mit dem Fotoprogramm "Photoshop") wird heute Abend in Las Vegas veröffentlicht werden. Es erwirtschaftet fast 50 Prozent des Adobe-Umsatzes. Der war bereits im Geschäftsjahr 2009 um 18 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar gefallen. Finden die Softwaretüftler keinen Umweg, sind sie aus dem Geschäft mit immerhin 50 Millionen iPhones und 450 000 iPads ausgeschlossen. Die Nutzerbedingungen waren nach Vorstellung des Apple-Betriebssystems OS4 für iPhone verschickt worden, und die Änderung war zuerst dem Blogger John Gruber von Daring Fireball aufgefallen. Danach explodierten die Diskussionen im Internet und der Entwicklergemeinde. Nicht zuletzt, weil Adobes Creative Suite seit Jahren zu einem der beliebtesten Web-Entwicklungspakete auch auf Apples iMac-Rechnern gehört.

Arne Flick, Gründer des iPhone-Entwicklers Rio Mobile, sieht das mit Sorge: "Apple hat jedes Recht, so zu handeln. Aber das zeigt, wie problematisch das Versprechen einer generellen Zukunftsfähigkeit von Technologien ist", erklärt er gegenüber dem Handelsblatt. "Hätte ich mich als Entwickler auf AIR (Anm: die Adobe-Plattform) für die Entwicklung von Apps verlassen, wären meine Kunden vielleicht bald nicht mehr im App-Store vertreten." Er wirft die Frage auf: "Wer trägt im Zweifel entstehende Kosten, um Apps wieder in den Store zu bringen?" Rio Mobile plant, seine Produkte auch auf Blackberry oder Android zu veröffentlichen.

Joscha Bach, Mitgründer des Berliner Start-ups Txtr, hat Verständnis für Apple, sieht aber praktische Konsequenzen auf sich zukommen: "Wir werden weniger Softwarecode wiederverwenden können", analysiert er. Das Verhalten Apples zeige "eine neue Dimension". Noch nie sei die Programmiersprache zwingend vorgeschrieben gewesen: "Das könnte die Innovationskraft lähmen." Die Auswirkungen reichten bis in den Arbeitsmarkt: "Es gibt viel weniger Objective-C+-Programmierer als Flash-Profis." Der E-Book-Reader Txtr ist in einer frühen Version für das iPhone erhältlich. Vielleicht wird der Kampf auf dem Rücken der Softwareentwickler für beide Kombattanten zum Fiasko und den Hype um die "App-Welten" auf mobilen Plattformen zu einem Irrtum der Geschichte verblassen lassen. Stefan Richter vom Software-Entwickler Freiheit.com: "Plattformen, die einzelnen Firmen gehören, egal ob Apple oder Adobe, sind so nicht zukunftsträchtig. Die offene Internetsprache HTML5 im Browser wird Standard werden. Dann wird auch der Hype um die App-Stores ein Ende haben."

Apple hat sich nicht zu den neuen Bedingungen geäußert, allerdings schon lange klargemacht, dass man Flash nie auf dem iPhone dulden werde, und immer empfohlen, nur bestimmte Programmiersprachen zu nutzen. Besonders die Adobe-Plattform bezeichnet Apple-Chef Jobs als fehlerbehaftet. Adobe reagierte am Wochenende mit einer Meldung auf den Blog seines Mitarbeiters, dass es sich, wie auch von Brimelow betont, um eine private Meinungsäußerung gehandelt habe. Man habe in der Vergangenheit gut mit Apple kooperiert und wolle dies auch in Zukunft.

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