Xing-Gründer und FDP-Chef diskutieren: Erst kommt das Scheitern, dann der Erfolg

Xing-Gründer und FDP-Chef diskutieren
Erst kommt das Scheitern, dann der Erfolg

Beide kennen das Stigma des unternehmerischen Scheiterns: FDP-Chef Christian Lindner und Xing-Gründer Lars Hinrichs diskutierten in Hamburg über Start-Ups, Erfolge und Misserfolge. Dabei ging es auch mal hitzig zu.
  • 0

HamburgPlötzlich wird es hitzig. "Nicht alleine gründen, immer im Team" rät FDP-Chef Christian Lindner und guckt beschwörend ins Publikum. Sofort fällt ihm der sonst so entspannt-ruhige Xing-Gründer Lars Hinrichs ins Wort: "Auf jeden Fall alleine gründen", ruft er dazwischen. "Es kann nur einen Chef geben!"

Es sollte um Gründungskultur und den Umgang mit Fehlern dabei gehen. Erst auf den zweiten Blick sind FDP-Chef Lindner und Lars Hinrichs, Gründer des erfolgreichen Kontaktnetzwerks Xing und seit dem ebenso erfolgreichen Verkauf der Plattform Unternehmer und Investor, für das Thema die richtigen. Zu Beginn seiner Politikkarriere fuhr Lindner ein Internet-Start-up vor die Wand. Hinrichs musste 2001 mit seiner PR- und Kommunikationsagentur Böttcher-Hinrichs AG in die Insolvenz, bevor er zwei Jahre später mit Xing einen millionenschweren Volltreffer hinlegte.

Beide kennen es, das Stigma des unternehmerischen Scheiterns. Erst kürzlich hatte Lindner mit dem Thema einen Internet-Hit gelandet, als er im Nordrhein-westfälischen Landtag einen SPD-Abgeordneten wegen eines spöttischen Einwurfs zu seinem erfolglosen Start-up maßregelte. Und auch an diesem Mittwochnachmittag in Hamburg regt ihn das Thema auf. "Der Kollege steht für eine Haltung, für diese Mentalität, auf andere herabzuschauen, weil sie nicht erfolgreich waren", sagt er, als das Video vor mehr als hundert Gästen beim Xing-"Spielraum-Talk" gezeigt wird. "Dabei macht es Spaß, eine Idee umzusetzen", sagt der 36-Jährige. Viele Menschen unterschätzten das unternehmerische Risiko und die Arbeit, die ein selbst gegründetes oder geerbtes Unternehmen mache.

Ein Problem, das Ex-Insolvenzler und Unternehmer Hinrichs kennt. "Wir Deutschen denken viel über Chancen und Risiken nach", sagt der 38-Jährige, der derzeit ein Luxusmietshaus in Hamburg baut. "Aber je mehr man über die Risiken nachdenkt, desto größer werden sie." Er selbst denke mehr an die Chancen. Und er mache keinen Plan B. "Den braucht man ja nicht, wenn Plan A gut ist", sagt er und lächelt leicht überlegen. Mit seiner PR-Agentur klappte das nicht. Heute nennt der gebürtige Hamburger sein Scheitern einen "sehr kostspieligen MBA-Kurs".

Viel mehr beschäftigt ihn die Frage, wie Unternehmertum in Deutschland wahrgenommen wird, nämlich als "nicht sexy". Dabei sei Unternehmertum cool. "Wir sollten Stolz auf die eigene Leistung und auf Erfolg entwickeln", sagt er und schimpft über "Neid und Missgunst" in Deutschland. Da muss FDP-Chef Lindner nicht widersprechen.

Kommentare zu " Xing-Gründer und FDP-Chef diskutieren: Erst kommt das Scheitern, dann der Erfolg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%