Yahoo-Chefin ein Jahr im Amt
Mensch, Mayer!

Die Stimmung ist gut, aber die Zahlen lassen zu wünschen übrig: Ein Jahr nachdem Marissa Mayer den Chefposten bei Yahoo übernommen hat, lahmt der Internet-Pionier immer noch. Zukäufe sollen für neuen Schwung sorgen.
  • 5

DüsseldorfKostenlose Smartphones, kostenloses Mittagessen, kostenlose Fitness-Armbänder: Marissa Mayer tut etwas für ihre Mitarbeiter. Seit die frühere Google-Vorzeigefrau vor einem Jahr den Chefposten beim Internetkonzern Yahoo übernahm, soll die Stimmung im Unternehmen deutlich besser sein – nicht nur, aber auch wegen der neuen Annehmlichkeiten. Die Anleger sind ebenfalls begeistert, der Aktienkurs hat seitdem um mehr als 70 Prozent zugelegt. Doch die Zahlen wollen nicht so recht zur guten Laune in den Büros und an der Börse passen.

Denn Yahoo verliert im wichtigen Werbegeschäft gegenüber den Konkurrenten Google und Facebook weiter an Boden. Der Konzern kappte am Dienstag seine Umsatzprognose für 2013, nachdem die Erlöse im zweiten Quartal leicht zurückgingen. Vor allem Einbußen bei den Display-Anzeigen und niedrigere Werbepreise machten Yahoo zu schaffen. Mayer und Finanzvorstand Ken Goldman betonten bei der Vorstellung der Zahlen allerdings, dass das Unternehmen an neuen Werbeformaten und Technologien arbeite, die den Trend umkehren würden.

Im laufenden Jahr rechnet Yahoo nun mit einem Umsatz von 4,45 bis 4,55 Milliarden Dollar. Bislang war das Unternehmen von 4,5 bis 4,6 Milliarden Dollar ausgegangen. Im zweiten Quartal ging der Nettoumsatz auf 1,071 Milliarden Dollar zurück nach 1,081 Milliarden Dollar vor einem Jahr. Das lag im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Ein Jahr nach Mayers Amtsantritt ist weiter nur in Ansätzen sichtbar, wie die Managerin das stagnierende Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen will.

Doch zumindest vermittelt die Managerin Aufbruchstimmung. Als sie ihr Amt antrat, waren die Yahoo-Mitarbeiter demoralisiert. Personalquerelen schwächten das Unternehmen, und während vier Chefs in ebenso vielen Jahren kamen und wieder gingen, nahmen die Konkurrenten Google und Facebook dem Unternehmen im Werbegeschäft immer mehr Marktanteile ab.

Die Personalie war daher ein spektakulärer Coup: Yahoo konnte dem großen Rivalen Google eine seiner besten Kräfte abwerben. Die heute 38-Jährige war eine prägende Figur beim Suchmaschinen-Riesen und gestaltete wichtige Produkte wie die Suche entscheidend mit, durfte aber nicht in der obersten Führungsetage ran. Bei Yahoo bekam sie die Chance, selbst CEO zu werden.

Mayer machte von Beginn an Schlagzeilen. Sie holte die Yahoo-Heimarbeiter zurück in die Büros, um die Zusammenarbeit zu verbessern – und trat eine Diskussion über die Arbeitswelt von heute los. Sie brachte kurz nach ihrem Amtsantritt ihr erstes Kind zu Welt – und fachte eine Debatte über die Vereinbarkeit von Familie und Top-Management an. Und sie versteigerte bei einer Wohltätigkeitsauktion ein Mittagessen mit sich für 90.000 Dollar – und zeigte damit, dass sie Glamour und Gemeinnützigkeit miteinander verbinden kann.

Doch die Managerin ist mehr als eine Stimmungskanone, sie will das Unternehmen umkrempeln. Yahoo ist zwar nach wie vor eine beliebte Adresse im Web, mehr als 700 Millionen Nutzer besuchen die verschiedenen Seiten jeden Monat. Die Trends zu hochgerüsteten Suchmaschinen wie auch zu sozialen Netzwerken hat der einstige Pionier allerdings verpasst. Mayer will dafür sorgen, dass Yahoo trotz mächtiger Konkurrenten wie Google und Facebook relevant bleibt.

Kommentare zu " Yahoo-Chefin ein Jahr im Amt: Mensch, Mayer!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was soll bei Werbung bitte wachsen? Neue Werbetechnologien einbinden? Meint sie die Technologien wo der VOLVO-Stream schon nervig aufpoppt nur weil die Maus über einen Link fährt? Ich meine auf HB ist auch dieser Technologiemüll.

    Ich für meinen Teil nutze Yahoo lediglich als Wegwerfadresse; ansonsten mache ich mir nicht mehr die Mühe die Rubrikseiten bei Yahoo zu lesen; die Schlagzeilen empfinde ich auf BILD-Niveau; da mach ich ohnehin die Klappe dicht.

  • Yahoo entsprang dem ersten großen Internet-Hype, es ist nicht mehr "HIP", nun erfolgt die Transformation in ein normales Dienstleistungsunternehmen (zweite Generation) bei dem Bilanzkosmetik die entscheidende Rolle spielt um Gewinne zu erzielen.
    Yahoo ist nur noch ein großer "Dienstleistungs-Client" der die aktuellen Tendenzen im Internet verschlafen hat. Er wird nicht untergehen aber er wirsd auch nicht mehr organisch wachsen.

  • Und wieder einmal eine amerikanische WUNDER-Managerin entzaubert.
    Erinnert sich noch wer an CARLY Fiorina (oder so), die einst in Böblingen Bäume fällen liess, wegen eines einmaligen Hubschrauberfluges von Stuttgart nach Böblingen
    (ca. 5 Minuten mit dem Heli) und danach HP fast an die Wand gefahren hat?
    Es leben die Quotenfrauen! Die brauchen wir!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%