Yahoo-Chefin
Marissa Mayer läuft die Zeit davon

Bei Yahoo schwindet das Vertrauen in Chefin Marissa Mayer. Nun will sie die profitable Alibaba-Beteiligung abspalten. Doch damit stößt sie auf Widerstand der Investoren. Die Stimmung im Konzern nähert sich dem Tiefpunkt.

San FranciscoMarissa Mayer hatte große Pläne: Die Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Yahoo kaufte Dutzende Startups, ließ die Apps des Unternehmens überarbeiten und stieg in das Geschäft mit Bewegtbildern ein. Allein die Blogging-Plattform Tumblr ließ sich Yahoo 1,1 Milliarden Dollar kosten. Doch all die Ausgaben und neuen Projekte haben sich in den dreieinhalb Jahren seit ihrem Amtsantritt nicht ausgezahlt. Der Aktienkurs sank in diesem Jahr schon um 35 Prozent und Investoren fordern immer lauter Mayers Ablösung.

„Das ist wie bei „Des Kaisers neue Kleider““, sagt Eric Jackson, Yahoo-Aktionär und Geschäftsführer des Hedgefonds Ader Investment Management. „Dem Unternehmen und den Aktionären wäre besser gedient, wenn sie gehen würde.“ Jackson drückt sich wahrscheinlich deutlicher aus als viele andere von Mayers Kritikern, aber mit seiner Meinung steht er nicht allein. So empfahl der Analyst Robert Peck von Sun Trust kürzlich in einem Brief an den Verwaltungsrat von Yahoo, Mayers Entlassung zu erwägen.

Der Investor Jeffrey Smith vom Hedgefonds Starboard Value verlangt dagegen, dass Mayer eine geplante Abspaltung von Yahoos wertvollstem Aktivposten – eine 30 Milliarden Dollar schwere Beteiligung am chinesischen Onlinehändler Alibaba Group - aufgibt und stattdessen das Internetgeschäft verkauft. Für den Fall, dass Mayer ihren derzeitigen Kurs weiter verfolgt, droht Smith mit einer Rebellion der Aktionäre im kommenden Jahr.

Aber nicht nur bei den Investoren, auch unter den Mitarbeitern ist die Stimmung alles andere als gut. Ihre Zustimmungsraten auf der Website Glassdoor.com, wo Angestellte ihre Arbeitgeber bewerten können, liegen derzeit bei 73 Prozent. Kurz nach ihrem Einstieg bei Yahoo im Juli 2012 waren es noch 99 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten haben zudem mindestens zwölf Mitglieder des Management-Teams den Konzern verlassen, darunter Marketing-Chefin Kathy Savitt und die Leiterin des Bereichs Entwicklung und Akquisition, Jacqueline Reses.

Mayer hat wiederholt bekräftigt, Yahoo sei auf dem richtigen Weg, zuletzt im Oktober, als sie sich zu den enttäuschenden Quartalszahlen äußerte. Sie habe „aggressive Erwartungen“ an das Kerngeschäft von Yahoo, erklärte sie. „Wir haben das richtige Talent, die richtige Strategie und die richtigen Mittel, um für unsere Investoren langfristig nachhaltiges Wachstum zu erzielen.“

Der Umsatz von Yahoo fiel allerdings um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, der größte Rückgang seit dem Antritt von Mayer. Und im Quartal von Oktober bis Dezember wird es wohl noch schlimmer, denn das Unternehmen erwartet einen Rückgang der Nettoumsätze um rund 20 Prozent. Mayer plant nun weitere Umstrukturierungen, die wahrscheinlich Hunderte Arbeitsplätze kosten werden. Yahoo müsse sich auf weniger Produkte von besserer Qualität konzentrieren, erklärte sie im Oktober. Details sollen im Januar folgen.

Seite 1:

Marissa Mayer läuft die Zeit davon

Seite 2:

Die Hoffnungen waren groß

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%