Yahoo
Endspiel für Marissa Mayer

Yahoo steht vor der Zerschlagung. Vorstandschefin Marissa Mayer hat das Kerngeschäft mit Internetwerbung zum Verkauf gestellt, die Frist für die potenziellen Bieter läuft ab. Was kann die Yahoo-Chefin noch erreichen?

San FranciscoNichts symbolisiert die Situation bei Yahoo so deutlich wie die Architektur der letzten Betriebsfeier im alten Warenhaus in Dogpatch, San Francisco. Da thronte Marissa Mayer im abgesperrten VIP-Bereich und hielt Hof, im bodenlangen Abendkleid, auf einer blütenweißen Chaiselongue. Einzelne Mitarbeiter durften vortreten und ein Selfie schießen.

Die Yahoo-Chefin gilt als unnahbar, ungeduldig, hart im Umgangston. Statt andere zu promoten, so hieß es firmenintern, promotete Marissa vor allem Marissa. Ihr rigider Führungsstil gilt als einer wichtigsten Gründe dafür, warum sie daran gescheitert ist, den kriselnden Internetriesen wieder auf Kurs zu bringen.

Jetzt steht Yahoo vor der Zerschlagung. Mayer hat das Kerngeschäft mit Internetwerbung zum Verkauf gestellt, die Frist für die potenziellen Bieter am Montag läuft ab. Wieder hat die 40-Jährige für sich selbst gut ausgesorgt. Verlässt sie die Firma nach einer Akquise, erhält sie eine Entschädigung in Höhe von um die 37 Millionen Dollar, sonst nur 12 Millionen Dollar.

Ein Sieg ist das „Endspiel um Yahoo“ für sie trotz der Millionen nicht, sondern eine Niederlage auf ganzer Linie, zeigt sich RBC-Analyst Mark Mahaney überzeugt. „Yahoo steht schlechter da als je zuvor. Die Reputation der Firma im Valley ist zerstört. Es ist schwer, überhaupt irgendeinen Geschäftsbereich zu finden, in dem Mayer erfolgreich war.”

Wenn Yahoo durch die neue Chefin auch nur ein kleines bisschen besser da steht, hieß es stets in der Branche, als Mayer 2012 ihren Posten übernahm, dann hat sie schon gewonnen. Zu groß erschien die Aufgabe, den lahmen Internet-Pionier wieder auf Kurs zu bringen.

Doch die Managerin hat nichts an der Situation geändert. Aus der Heilsbringerin von damals wird nun die Nachlassverwalterin einer großen Idee. Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse an einem oder mehreren Teilen von Yahoo gezeigt. Als Favorit gilt der Telekommunikationskonzern Verizon, der vergangenen Juni bereits den Ex-Internet-Riesen AOL für 4,4 Milliarden Dollar erworben hatte.

Als weitere Interessenten werden der britische Verlag der „Daily Mail“ gehandelt, der vor allem an Yahoos Sport-Sparte interessiert ist, weiterhin der Time-Verlag sowie die Investmentfirmen Blackstone und KKR. Bei Verizon könnte Manager Tim Armstrong, mit dem Mayer ehemals bei Google zusammengearbeitet hatte, Yahoos Internetgeschäft in das von AOL integrieren. Die Ex-Yahoo-Chefin müsste das Feld räumen.

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Es hapert im mobilen Geschäft

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