Yahoo: Marissa Mayer zieht Alibaba aus dem Zauberhut

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Marissa Mayer zieht Alibaba aus dem Zauberhut

Yahoo beglückt seine Anleger: Der Internetkonzern gliedert seine wertvollen Anteile an Alibaba in eine eigene Firma aus. Mit dem Coup kauft sich Firmenchefin Mayer nur Zeit - die Quartalszahlen drängen zur Wende.
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Los AngelesYahoo-Chefin Marissa Mayer ist dafür bekannt, dass sie ihre Meinung durchsetzt. Aber diesmal gibt sie klein bei. Ganz wie es mächtige Anleger, allem voran der Hedgefonds Starboard, lautstark gefordert hatten, wird Yahoo seinen milliardenschweren Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba in eine eigene Firma namens "Spinco" ausgliedern. Die Aktien gehen dann anteilsmäßig an die Altaktionäre.

Was die Wall Street bei dem Plan besonders freut: Der amerikanische Fiskus wird leer ausgehen. Auf den rund 40 Milliarden Dollar schweren Deal werden keine Steuern anfallen. Die Yahoo-Aktie zog nachbörslich scharf an.

Diese Adrenalinspritze kann Mayer gut gebrauchen. Sie muss am Dienstag gleichzeitig schlechte Nachrichten verkünden. Im vierten Quartal 2014 ging es im eigentlichen Kerngeschäft weiter bergab. Der Nettoumsatz von 1,18 Milliarden Dollar lag unter Vorjahresniveau, ebenso das Nettoergebnis mit 166 Millionen Dollar nach 348 Millionen.

Mit der Ankündigung der neuen Firma kauft Mayer sich Zeit. Bis die Abspaltung Ende 2015 abgeschlossen sein wird, muss sie den versprochenen Turn-Around einleiten.

Danach wird sie ein wesentlich kleineres Yahoo leiten, dessen Online-Werbegeschäft bereits jetzt schwächelt. Laut "eMarketer" ist Yahoo mit 2,3 Prozent Marktanteil mittlerweile auf den vierten Platz im globalen Onlinewerbemarkt abgerutscht - hinter Microsoft, Facebook und dem Giganten Google. Gelingt der Umschwung nicht, wird dieses Jahr auch Twitter an Yahoo vorbeiziehen.

Mayers Gegenmittel: Akquisitionen. Sie investiert in Inhalte und will Yahoo zum Medienkonzern aufbauen. Im November übernahm sie deshalb etwa den Videowerbespezialisten Brightroll für 640 Millionen Dollar.

Das ist auch ein der Grund, warum Investoren so erfreut sind, Alibaba aus Yahoo ausgegliedert zu sehen: Sie fürchten eine endlose Einkaufstour. Aktivisten wie der Hedgefonds Starboard und andere kritisieren bereits heftig den Kauf der Bloggingplattform Tumblr für 1,3 Milliarden Dollar. Schließlich liefert Tumblr noch immer keinen Umsatzbeitrag.

Starboard bezeichnete den Kauf in einem Brief an den Aufsichtsrat als klaren Fehler. Mayer verkündete postwendend, Tunblr werde 2015 rund 100 Millionen Dollar Umsatz einbringen.

Die Ratschläge von Starboard zielen in eine andere Richtung. Demnach sollte Yahoo zum Beispiel eine Kooperation oder sogar Fusion mit AOL eingehen. Nur wer dann wen kaufen könnte, ist unklar. Zieht man aktuell den Wert der Alibaba-Aktien vom Yahoo-Börsenwert ab, dann kommt man nach dem jüngsten Kurssprung auf rund acht Milliarden Dollar. AOL schlägt derzeit mit vier Milliarden Dollar zu Buche. Ein großer Unterschied ist das nicht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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