Yahoo schreibt Verlust

Teures Marketing setzt dem Internet-Pionier zu

Ein Jahr zuvor stand noch ein dicker Gewinn unterm Strich bei Yahoo. Doch im zweiten Quartal 2015 schreibt der Internetkonzern rote Zahlen. Dahinter steckt ein kostspieliger Konkurrenzkampf.
Update: 22.07.2015 - 12:20 Uhr Kommentieren

Apple, Microsoft und Yahoo enttäuschen die Börse

SunnyvaleDeutlich höhere Marketingausgaben haben dem schwächelnden Internet-Pionier Yahoo rote Zahlen eingebrockt. Im zweiten Quartal rutschte der US-Konzern mit rund 22 Millionen Dollar in die Verlustzone. Vor Jahresfrist hatte noch ein Gewinn von etwa 270 Millionen Dollar in der Bilanz gestanden.

Zuletzt vervierfachte Yahoo im kostspieligen Wettbewerb mit Konkurrenten wie Google und Facebook seine Ausgaben fürs Anlocken von Besuchern auf rund 200 Millionen Dollar. Yahoo-Aktien gaben am Mittwoch vorbörslich zwei Prozent nach.

Nach teuren Zukäufen wie der Blogger-Plattform Tumblr will sich der Konzern wieder stärker auf sein Kerngeschäft Online-Werbung konzentrieren. Dort kämpft Yahoo aber mit schier übermächtigen Gegnern, deren Kassen prall gefüllt sind. Der weltgrößte Suchmaschinenanbieter Google wuchs zuletzt dank eines florierenden Anzeigengeschäfts um elf Prozent auf rund 17,7 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Yahoos Erlöse stagnierten bei rund einer Milliarde.

Analysten fragen sich seit langem, wie es mit dem Unternehmen weitergehen soll. „Ihr Kerngeschäft schwächelt und sie haben relativ wenig getan, um dies zu ändern. Man könnte auch argumentieren, dass es wenig gibt, was sie überhaupt tun können“, kritisiert Analyst Brian Wieser vom Marktbeobachter Pivotal Research. Jetzt gehe es erst einmal um Alibaba und Yahoo Japan.

Wer beim Datenschutz gute Noten bekommt
Kontrolleure des Überwachungsstaats
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Ist Datenschutz schon in Deutschland eine heikle Sache, sieht es in den USA noch viel kritischer aus: Die dortigen Ermittlungsbehörden wie die NSA haben durch den Patriot Act, der nach den Anschlägen des 11. September 2001 erlassen und kürzlich leicht abgemildert wurde, viel umfassendere Rechte und Befugnisse zur Abfrage von Daten von Privatpersonen. Und diese nutzen sie auch, während die Gesetze und Regulierungen im Bereich Datenmanagement und Datenschutz mit den technologischen Entwicklungen nicht mithalten können. Die Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) will mit ihrem regelmäßigen Datenschutz-Report „Who has your back“ auf dieses Problem aufmerksam machen. EFF untersucht 24 große IT- und Telekomunternehmen daraufhin, wie sie mit dem Thema Datenschutz umgehen.

Den Ermittlern ihre Grenzen aufweisen
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Der Report bewertet einerseits, ob sich Firmen gegen teils willkürliche staatliche Überwachung wehren. Zudem wird die Transparenz bewertet, die Firmen darüber herstellen, ob und wie staatlichen Ermittlungsbehörden bei ihnen Zugriff auf Nutzerdaten fordern. Die EFF hat über vier Jahre die Praktiken großer Internet- und IT-Konzerne beobachtet und analysiert, ob die Firmen ihren Fokus eher auf den Schutz der Nutzerdaten oder eher auf die Kooperation mit staatlichen Ermittlern legen. Dabei konnten sie in den vergangenen vier Jahren eine Entwicklung feststellen.

Er stieß Veränderungen mit an
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Während das Thema Datenschutz vor vier Jahren bei kaum einem Unternehmen auf der Agenda stand, hat nun – einige Snowden-, Wikileaks-Enthüllungen und Spähaffären später – laut EFF ein Umdenken eingesetzt: Viele Firmen veröffentlichen Reports über ihren Umgang mit Nutzerdaten und über Regierungsanfragen nach Nutzerdaten.

Aktuelle Anforderungen
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Die EFF hat die Entwicklungen damit aufgefangen, dass sie die Firmen nun unter anderem in der Kategorie des industrieweiten Standards vorbildlicher Praktiken bewerten.

Ihre Kriterien im Überblick:

1. Unter dem erwähnten industrieweiten Standard verstehen die Aktivisten etwa, dass die Firma den Staat bei einer Datenanfrage nach einer offiziellen Vollmacht für den spezifischen Fall fragt. Außerdem wird erwartet, dass das Unternehmen einen Transparenzreport über staatliche Anfragen veröffentlicht und dass die Firma deutlich macht, wie sie mit den Regierungsanfragen formell verfährt.

2. In einer weiteren Kategorie wird geprüft, ob Internetfirmen die jeweiligen Nutzer einzeln informieren, wenn sie beziehungsweise ihre Daten von Regierungsanfragen betroffen waren. Als Best Practice Beispiel gelten die Firmen, die ihre Nutzer schon vor der Weitergabe über solche staatlichen Anfragen informieren, sodass diese sich juristisch zur Wehr setzen können.

Facebook sperrte unliebsame Nutzer
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3. Die Aktivisten checkten auch, ob Firmen bekannt machen, wie lange sie Nutzerdaten speichern. Es wurde dabei nicht bewertet, wie lange die Unternehmen IP-Logins, Übersichten über individuellen Datentransfer und auch eigentlich bereits gelöschte Daten speichern und für Ermittlungen verfügbar halten – es geht nur um die Transparenz.

4. Regierungen und staatliche Ermittlungsstellen fragen nicht nur Nutzerdaten an, teils verlangen sie von Internet- und Telekomkonzernen auch, unliebsame Nutzer zu blockieren oder Nutzeraccounts zu schließen. Für diese Praxis war zuletzt insbesondere Facebook kritisiert worden, das einige Insassen von Gefängnissen an der Eröffnung eines Accounts hinderte. Auch Informationen darüber honorierten die Aktivisten mit einer positiven Bewertung, wobei ihnen besonders Twitter in dieser Kategorie mit einem umfangreichen Report über Lösch-Gesuche positiv auffiel.

5. Unternehmen bekamen auch eine positive Bewertung, wenn sie sich im öffentlichen Diskurs gegen staatlich geduldete oder gar intendierte Hintertüren in Software und Netzwerken stellen. 21 von 24 untersuchten Firmen nehmen mittlerweile eine solche kritische Position gegenüber dem Überwachungsstaat ein.

Die besten Firmen: Adobe – 5 Sterne
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Adobe hat laut den Aktivisten in den vergangenen Jahren alle Best Practice Standards übernommen, die in der Branche etabliert sind. Adobe verlangt von Ermittlungsbehörden eine explizite Erlaubnis, Daten von Nutzern anzufordern und bekennt sich zudem öffentlich dazu, keine Hintertüren in die eigene Software einzubauen. „Alle Regierungsanfragen für Nutzerdaten müssen bei uns durch den Vordereingang kommen“, schreibt Adobe in seinem Transparenzreport. Die EFF wertet eine solche starke Position gegen die früher gängige Praxis als bemerkenswert – unabhängig von der Wahrhaftigkeit.

Apple – 5 Sterne
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Triumph für Tim Cook. Apple erfüllt alle Kriterien der Aktivisten für möglichst große Transparenz im Bereich Datensicherheit. Der IT-Konzern lässt allerdings einige Hintertürchen offen, neben den Verpflichtungen zur Verschwiegenheit, die ihm etwa durch Gerichte in Einzelfällen auferlegt werden können. Apple behält sich vor, Nutzer nicht über eine Datenabfrage zu informieren, wenn dies nach Einschätzung des Unternehmens gefährlich für das Leben oder die Unversehrtheit von Personen werden könnte. Dies lässt Raum zur Deutung.

Yahoo ließ offen, was mit dem Anteil an Yahoo Japan passieren könnte. Finanzchef Ken Goldman unterstrich die Bedeutung des Suchmaschinenbetreibers und erklärte, es gebe „eine Reihe von Möglichkeiten, seinen Wert zu maximieren“. Bereits im April hatte Yahoo erklärt, alle Optionen für den milliardenschweren Anteil würden geprüft. Bekannt ist, dass Yahoo den 15-Prozent-Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba ausgliedern will. Der Wert summiert sich auf rund 31 Milliarden Dollar.

Unterdessen machen Tumblr, die Online-Kaufplattform Yahoo Gemini und das Netzwerk Flurry langsam Fortschritte. Der Gesamtumsatz der Hoffnungsträger stieg im Quartal um knapp 15 Prozent. Firmenchefin Marissa Mayer, die vor rund drei Jahren von Google zu Yahoo kam, gab zu, dass man weiterhin eine Antwort auf die Frage suche, wie das Tumblr-Angebot zu Geld gemacht werden könne.

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