Yahoo
Tag der Entscheidung

Wenn am späten Dienstagabend Scott Thompson die Yahoo-Quartalszahlen präsentieren wird, steht viel auf dem Spiel. Die Zahlen sind Nebensache. Investoren und Mitarbeiter erwarten Details zu der geplanten Umstrukturierung.
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San FranciscoDie Zeit der Allgemeinplätze ist vorbei, das haben Großaktionäre im Vorfeld der Verkündung der Quartalszahlen dem Vorstandschef des Internetportals Yahoo unmissverständlich klar gemacht. Scott Thomson muss endlich konkrete Antworten auf die Frage nach einer zukunftsfähigen Strategie geben.

Denn Yahoo ist im Belagerungszustand: Am Montag, dem 2. April, schaltete der Hedgefonds-Manager Daniel S. Loeb die Seite www.valueyahoo.com frei. Sie ist Teil seiner Kampfstrategie, um auf der nächsten Aktionärsversammlung vier eigene Kandidaten in das Board der Suchmaschinenfirma aus dem Silicon Valley zu bringen, einschließlich sich selbst. Loebs Fonds Third Point hält gut 5,8 Prozent an Yahoo und ist damit größter Einzelaktionär. Aber CEO Thompson hält Loeb für nicht qualifiziert genug für das Aufsichtsgremium. Er lehnt eine erste Anfrage auf Aufnahme rundheraus ab.

Da muss der frühere Paypal-Chef heute Abend aber einiges bieten, um diesen Affront zu überleben und die Aktionäre auf seine Seite zu ziehen. Sonst droht eine Kampfabstimmung auf dem Aktionärstreffen. Thompson ist nun schon der fünfte CEO in fünf Jahren. Mit 700 Millionen monatlichen Nutzern ist das Unternehmen aus Sunnyvale immer noch eine der größten Webadressen weltweit, aber was die Monetarisierung dieses Schatzes angeht, sieht es schlecht aus. Yahoo selbst erwartet für das erste Quartal einen Nettoumsatz von 1,05 bis 1,1 Milliarden Dollar, das wäre praktisch unverändert zum Vorjahr, während die Konkurrenz, vornehmlich Google, kräftig wächst. Das Betriebsergebnis sieht Yahoo zwischen 105 und 155 Millionen Dollar. Die große Spanne zeigt, wie schwer sich das Management derzeit mit der Abschätzung der Entwicklung tut.

2009 noch Marktführer bei Online-Displayanzeigen liegt Yahoo laut eMarketer nun nur noch auf dem dritten Platz hinter Google und Facebook. Für die mobile Zukunft Yahoos fehlt eine schlüssige Strategie. Der Suchmaschinenpakt mit Microsoft läuft nicht so wie erwartet, die Werbeeinnahmen bleiben unter den Erwartungen. Im US-Suchmaschinenmarkt ist Yahoo nur noch Nummer drei hinter Google und Microsofts Bing und nicht zuletzt ist der Aktienkurs in den letzten fünf Jahren um über 50 Prozent gefallen.

Dieser Trend muss gedreht werden. Vergangene Woche hatte Thompson die Entlassung von 2000 Mitarbeitern angekündigt, was 375 Millionen Dollar im Jahr einsparen soll. Doch das ist nur defensiv. Offensiv ist eine Aufgliederung in drei Kernbereiche, Konsumenten, Regionen und Technik, geplant, was Yahoo schlagkräftiger machen soll. Wie das funktionieren soll, das muss er heute verkünden. Leicht wird das nicht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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