Zahlungsabwicklung wird Kerngeschäft
Ebay gibt Kampf mit Amazon verloren

Ebay krempelt seine Strategie um: Das Unternehmen, das als Online-Auktionshaus groß wurde und mit seinen Marktplätzen noch immer mehr als die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet, will sich aus dem Verkauf von Neuwaren zurückziehen und sich künftig stärker auf Zahlungsabwicklungen im Internet konzentrieren. Mit der neuen Strategie soll verlorenes Vertrauen der Investoren zurückzugewonnen werden.

DÜSSELDORF. In einigen Jahren werde die Konzerntochter Paypal mehr Umsatz bringen als das bisherige Kerngeschäft, sagte Ebay-Chef John Donahoe auf einer Analystenkonferenz in San Jose.

Zugleich will sich Donahoe auf den Ebay-Seiten wieder stärker auf Auktionen konzentrieren und den Verkauf von Restposten ankurbeln. Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem normalen Online-Händler gewandelt und den Anteil der zu festgelegten Preisen angebotenen Neuwaren stetig ausgebaut. Dadurch geriet Ebay aber unter starken Wettbewerbsdruck des weltgrößten Internet-Kaufhauses Amazon – und zieht jetzt zurück. „Wir sind kein Händler“, sagte Donahoe. „Wir werden uns auf die Felder konzentrieren, in denen wir gewinnen können.“

Das Unternehmen kämpft seit längerem mit erheblichen Problemen in seiner Marktplatzsparte. Im vierten Quartal 2008 brach der Erlös im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent ein. Zum Jahresbeginn 2009 ging die Zahl der Besucher nach Angaben des Marktforschers Comscore um 8,4 Prozent zurück, Konkurrent Amazon konnte dagegen um fast zehn Prozent zulegen. Zu dem Geschäftsbereich gehören neben den Ebay-Plattformen weitere Seiten wie Shopping.com, auf der Verbraucher Preise vergleichen und Produkte bewerten können.

Neben der aktuellen Konsumzurückhaltung macht dem Unternehmen vor allem das veränderte Einkaufsverhalten zu schaffen: In den ersten Jahren nutzten sie das Internet stark zur Schnäppchenjagd – und wurden bei Ebay fündig. Inzwischen erledigen sie aber viele alltägliche Einkäufe im Netz, für die Händler wie Amazon häufig besser geeignet sind.

Dagegen konnte Paypal seinen Umsatz in den vergangenen Jahren kräftig steigern, zuletzt um 26 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar. Über den Dienst können die Nutzer kleine und mittelgroße Summen via Internet transferieren. Das Angebot beschränkt sich nicht auf die Ebay-Seiten, sondern kann auch für Zahlungen bei anderen E-Commerce-Portalen eingesetzt werden. Zudem versucht Ebay, den Dienst auch auf Handys zu verankern: Der Konzern vereinbarte unlängst mit dem „Blackberry“-Hersteller Research in Motion, dass die Zahlungen in dessen neuen „Application Store“ über Paypal abgewickelt werden.

Durch den Ausbau des Paypal-Geschäfts will Donahoe das lahmende Wachstum des Konzerns wieder in Schwung bringen. Nach der von Donahoe vorgelegten Planung wird der Konzern seinen Umsatz von zuletzt 8,5 Mrd. Dollar auf bis zu zwölf Mrd. im Jahr 2011 steigern. Allein Paypal soll 2001 bereits rund fünf Mrd. Dollar umsetzen, mehr als doppelt so viel wie 2008. Analysten halten das für durchaus machbar: Paypal sei in vielen Märkten führend und habe den Vorteil, Vorreiter auf seinem Gebiet zu sein, sagte Jeffrey Lindsay von Sanford Bernstein.

Zu den Aussichten der Marktplätze äußerte sich Donahoe dagegen zurückhaltend. Die Erlöse sollen demnach von 4,7 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr auf fünf bis sieben Mrd. Dollar zulegen. Die dritte Sparte des Konzerns, der Telefoniedienst Skype, werde dann rund eine Mrd. Dollar beisteuern, heute sind es gut 500 Mio. Dollar. Der operative Gewinn soll konzernweit jährlich im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen.

Mit der neuen Strategie versucht Donahoe, verlorenes Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Im vergangenen Jahr hatte die Ebay-Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt, seit 2006 beträgt das Minus sogar rund 70 Prozent. Am Donnerstag legte der Kurs leicht zu.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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