Zeitschrift „Barbara“
Ein Programm namens Schöneberger

Gruner + Jahr bringt neuen Klang in die Welt der Frauenzeitschriften. Namensgeberin „Barbara“ Schöneberger ist Programm. Es gibt handfeste Tipps, wie man Hummer zubereitet, eine Affäre startet oder eine Ehe beendet.

BerlinBarbara Schöneberger sitzt neben Sarah Connor auf der Couch und quatscht. Über das erste Mal, den ersten Schwarm, den ersten Vollrausch. Ein lustiges Gespräch ist das, hier und da ein wenig peinlich, ziemlich belanglos – und ziemlich ehrlich. Was Frauen eben so reden, wenn sie unter guten Freundinnen sind, wenn sie ausnahmsweise mal keine Lust haben, die coole Karrierefrau, die großartige Mutter, die ebenso schöne wie schlaue Partnerin zu sein.

Für diese Momente hat der Verlag Gruner  + Jahr ein neues Magazin herausgebracht – „Barbara“. Schöneberger ist nicht nur Namensgeberin, sondern Programm. Das Konzept ist aus den USA bekannt, wo TV-Star Oprah Winfrey auch im Print Erfolg hatte. Die deutsche Moderatorin, die öffentlich mit ihren Pfunden hadert, die sich für keinen Witz zu schade ist und Unsicherheit mit Schrillem kaschiert, steht für ein Publikum, das die „Brigitte“-Diät satthat und den „Vogue“-Glamour für abgehoben hält. Leserinnen, die sich lieber via Internet ins Wohnzimmer diverser Bloggerinnen begeben, anstatt die immer gleichen Modelgesichter in den immer gleichen Frauenblättern zu sehen, denen Authentizität fehlt.

Ein Publikum, das sich nicht mit professoraler Distanz von Beziehungs-, Ernährungs- oder Schönheitsexperten belehren lassen will. Oder, wie Schöneberger schreibt: „Wir sind alt genug, um zu wissen, dass eine Beziehung, aus der die Luft völlig raus ist, nicht besser wird, wenn man sich gegenseitig mit bengalischem Pfefferminzöl einreibt.“

„Barbara“ gibt handfeste Tipps, wie man Hummer zubereitet (Kaufen Sie das Tier bloß vorgekocht!), eine Affäre startet („Alkoholpegel stabil halten“) oder eine Ehe beendet („Heulen, rennen, saufen, schreien“). Anstelle von Diäten gibt es Rouladenrezepte und den Snack-Check, der den Hüftgoldfaktor von Fernsehfood bewertet (keine Angst vor Erdnussflips, Gemüse-Chips sind viel fetter!).

Politische Themen sind Fehlanzeige; emotional geht es in die Tiefe. Zum Beispiel, wenn eine Frau erzählt, wie sie den Tod ihres Babys verkraftet hat – nämlich gar nicht. „Da war nichts mit Flügeln“, sagt sie, ein verstörender, wohltuender Kontrapunkt zu den üblichen Der-Phönix-kommt-schon-wieder-aus-der-Asche-Geschichten. Bei den obligatorischen (werbekundenfreundlichen) Kosmetiktipps ist „Barbara“ dann doch ein normales Frauenmagazin. Auch wenn unter den Fünf Schritten (und fünf Produkten) zu schöneren Händen beinahe selbstironisch steht, dass ein einziges Produkt auch reichen würde.

Dafür erklärt am Schluss die ebenso kluge wie bissige Kolumnistin Karina Lübke, warum Lächeln total out ist und man als Frau lieber das Bitchy Resting Face (BRF) aufsetzen sollte: „Lächele, und die Welt sagt, du sollst ihr einen Kaffee holen.“ Was Frauen eben so reden.

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