Zeitschriften-Präsident Burda
Internet lässt Verleger „zu hastig handeln“

Früher hätten Verleger zu langsam auf das Internet reagiert, derzeit gehe hingegen das Vertrauen in das angestammte Geschäft zu schnell verloren, so Verleger Hubert Burda. Dennoch warnt er im Interview vor Google.
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HamburgDer Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Hubert Burda glaubt nicht, dass digitale Medien Zeitungen und Zeitschriften in absehbarer Zeit überflüssig machen werden. Dies werde „mit Sicherheit nicht“ geschehen, sagte er dem Handelsblatt (Montagausgabe). Viele seiner Kollegen zögen „sich zu schnell aus dem Geschäft zurück. Wo sie früher zu langsam und falsch auf das Internet reagierten, handeln sie heute zu hastig, ja aufgeregt, einfach weil sie an ihr traditionelles Geschäft nicht mehr glauben.“

Erst kürzlich hatte Axel Springer zahlreiche Traditionstitel, unter ihnen die „Hörzu“ und das „Hamburger Abendblatt“, für 920 Millionen Euro an die Funke-Gruppe verkauft. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Springer unter dem Druck der Börse und einzelner Investoren agieren muss“, sagte Burda. „Zu denen gehören auch Investoren, die sich für gedruckte Ware schlicht nicht mehr interessieren.“

Heftig kritisierte Burda die Einigung, die die EU-Kommission in einem Kartellverfahren mit Google erzielt hat. „EU-Kommissar Joaquín Almunia hat ja jüngst angekündigt, dass er die paar Zugeständnisse, die Google angeboten hat, für ausreichend hält“, sagte er. „Sollte der US-Konzern damit durchkommen, brechen für uns und alle Mitbewerber noch härtere Zeiten an.“

Für eine weitere Amtszeit als VDZ-Präsident stünde Burda „gern“ zur Verfügung: „Wenn die Mitglieder wollen, mache ich alles, wozu eine Notwendigkeit besteht.“ Der Verleger kann sich zudem vorstellen, dass sein Nachrichtenmagazin „Focus“ ebenso wie der „Spiegel“, der ab 2015 samstags statt wie bisher montags erscheinen wird, einen neuen Erstverkaufstag bekommt. „Sicher denken wir darüber nach“, antwortete er auf die Frage, ob sein Blatt künftig ebenfalls samstags erscheinen könnte.

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  • Für die Struktur des deutschen Medienmarktes gab es historische Gründe, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind. Im Zuge dessen hat sich auch eine z.T. monopolartige Finanzierungsstruktur herausgebildet, die ein gutes Leben gesichert hat. Mit dem Aufkommen des Internets und zahlreicher neuer Player am Markt hat sich dies massiv verändert, und eine der wichtigsten Finanzquellen für Printmedien, nämlich die Vermarktung und die Rubrikenmärkte sind vielfach online abgewandert. Da liegt es auf der Hand, auch im Contentbereich nach neuen Geschäftsmodellen unabhängig vom Medium zu suchen, es geht gar nicht anders. Natürlich wirkt das vielfach angewendete Rieplsche Gesetz in unterschiedlicher Intensität.

  • Was sollen die Verleger auch sonst tun, als hastig zu handeln, wenn ihnen die Erträge schneller einbrechen, als sie die Kosten ihrer Betriebe reduzieren können? Vor 15 Jahren - dem optimalen Ausstiegszeitpunkt - gab es noch hohe Kaufpreise für bewährte alte Namen trotz damals schon mickriger Gewinne. Aber diese Tür ist zu und sie wird sich auch nie mehr öffnen. Wohl dem, der damals schon die Zeichen der Zeit erkannt, sein Kapital abgezogen und in die Nachrichten- und Werbemittler der Zukunft investiert hat (Beispielsweise in Google, was sich in 10 Jahren verzehnfacht hat). Herr Burde jedenfalls nicht, denn der hat vor 20 Jahren noch kräftig ins Altpapierhandling investiert (Technocell).

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