Zeitschriften- und Radiomarkt
Bauer greift in Großbritannien durch

Nach dem Einstieg in den britischen Zeitschriften- und Radiomarkt fährt die Hamburger Verlagsgruppe Heinrich Bauer einen harten Sanierungskurs. Zusammen mit Tochter Saskia trimmt Verleger Heinz Bauer seine englischen Zeitschriften auf Rendite. Zwei Monate nach dem Kauf schließt die Verlagsgruppe ihre Frauenzeitschriften - und streicht Arbeitsplätze.

DÜSSELDORF. Bauer stellt die beiden Frauenzeitschriften "First" und "New Woman" ein. Dadurch fallen 49 Redakteursstellen weg. "Wir werden in Großbritannien nicht mit der Axt vorgehen, sondern sensibel und behutsam", sagte gestern ein Verlagssprecher. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine weiteren Schließungen und Stellenstreichungen geplant.

Bauer hatte im Dezember überraschend vom britischen Medienkonzern Emap für 1,59 Mrd. Euro mehrere Zeitschriften und Hörfunksender in Großbritannien erworben. Darunter sind Frauenzeitschriften wie "Heat" und "Grazia", aber auch die Männerzeitschrift "FHM".

Aus Sicht des 68-jährigen Verlegers passen die englischen Zeitschriften von Emap ideal zu seiner Verlagsgruppe. "Die Zeitschriften in Großbritannien fügen sich nahtlos in unser bisheriges Zeitschriftenangebot ein. Sie sind stark von Anzeigen getrieben", heißt es bei Bauer.

Die Einstellung von "First" und "New Woman" sei bereits vor dem Einstieg der Hamburger Verlagsgruppe geplant gewesen. Das sagte ein Konzernsprecher. Der für Großbritannien zuständige Bauer-Manager Marcus Rich sprach im Interview mit der britischen Tageszeitung "Guardian" von "monatelangen Beratungen mit der Redaktion".

Die britische Wochenzeitschrift "First" war erst im Mai 2006 gegründet worden. Zuletzt lag die verkaufte Auflage des Magazins für Frauen über 30 Jahren nur noch bei rund 100 000. Am heutigen Dienstag wird "First" zum letzten Mal erscheinen.

Das Mode- und Lifestylemagazin "New Woman" mit einer Durchschnittsauflage von rund 127 000 Exemplaren erschien bislang monatlich. Der Verkauf des Magazins war im Vergleich zum Vorjahr aber eingebrochen. Das einst vom Medienunternehmer Rupert Murdoch gegründete Blatt wird nun zum letzten Mal im April erscheinen. Bauer ist dafür bekannt, dass er hart durchgreift. Wenn Zeitschriften nicht wirtschaftlich erfolgreich sind, stellt der sparsame Hanseat sie auch ein. In Deutschland verlegt Bauer eine Vielzahl von Frauen- und Jugendblättern wie "Bravo", "Intouch", "Maxi", "Tina" und "Neue Post".

Der Zukauf in Großbritannien war die größte Aquisition eines deutschen Medienunternehmens im vergangenen Jahr. Mit seiner Milliardeninvestition will sich das 133 Jahre alte Familienunternehmen unabhängiger vom schwierigen deutschen Markt machen.

Bauer hat weltweit mehr als 6 400 Mitarbeiter und gibt 185 Zeitschriften heraus. Der Umsatz liegt bei 1,79 Mrd. Euro, bereits jetzt stammen 45 Prozent davon aus dem Ausland. Der Auslandsumsatz soll im laufenden Geschäftsjahr von 785 Mill. Euro auf 821 Mill. Euro steigen. Vor allem in den USA und Polen ist Bauer einer der führenden Verlage.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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