Zeitschriftenbranche
Verlage kämpfen mit Umsatzeinbrüchen

Die Wirtschaftskrise trifft die Zeitschriftenverlage hart: Der Einbruch am Werbemarkt schlägt auf die Erlöse der Unternehmen durch. Aber es gibt auch Hoffnungssignale von der neuen Bundesregierung.
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HB BERLIN. Die Zeitschriftenverleger rechnen auch nach dem Ende der Rezession in Deutschland nur mit einer schleppenden Erholung. Der Aufholprozess werde sich über Jahre hinziehen, sagte der Chef des Branchenverbands VDZ, Wolfgang Fürstner. Immerhin sei im kommenden Jahr eine Stabilisierung bei den Erlösen zu erwarten, nach zwei Jahren mit sinkenden Umsätzen in Folge. Für dieses Jahr rechnet die Branche mit einem Minus von 9,4 Prozent. Bei einer Auflage der Publikumszeitschriften von durchschnittlich 116 Mio. Exemplaren pro Quartal werde der Umsatz laut Prognose 2009 bei 6,86 Mrd. Euro liegen (Vorjahr: 7,58 Mrd.). Die Verlage dürften mit einem weiteren Stellenabbau auf die mauen Umsatzaussichten reagieren; der VDZ erwartet ein Minus von 3,7 Prozent auf dann weniger als 33 000 Beschäftigte

Schwierigkeiten macht den Verlagen im Rezessionsjahr 2009 der einbrechende Anzeigenmarkt. Die gesamten Bruttowerbeeinnahmen dürften um neun Prozent zurückgehen, bei den Zeitschriften sei das Minus mit ungefähr 15 Prozent deutlich größer. Weil viele Verlage aber ihre Anzeigenplätze mit deutlichen Preisnachlässen verkaufen, dürfte sich das Minus im Anzeigengeschäft unter dem Strich auf bis zu 20 Prozent belaufen, sagte ein VDZ-Sprecher. Verglichen damit sei der Vertrieb vergleichsweise stabil: Die Auflage aller Publikumszeitschriften sei nur leicht zurückgegangen. Zudem werden immer noch mehr neue Titel gegründet als eingestellt - derzeit sind in Deutschland mehr als 1500 verschiedene Zeitschriften auf dem Markt, über die Hälfte mehr als 1990.

Zukunftschancen sehen die Verleger aber vor allem im digitalen und mobilen Geschäft. Bis 2012 sei hier mir Zuwächsen in einer Größenordnung zu rechnen, die die Verluste im klassischen Geschäft zumindest zum Teil kompensieren könnten. Dabei gehe es darum, unabhängig von fest installierten Computern zu werden. „Das Kindle ist eines der elektronischen Geräte, die eine entscheidende Rolle spielen werden“, sagte Fürstner. Amazon verkauft das Gerät seit Oktober auch in Deutschland. Auf eReadern können elektronische Bücher und auch Zeitschriften gelesen werden, das Gerät ist ein Verkaufsschlager für den US-Konzern. Ob deutsche Zeitschriften jetzt schon für das Lesegerät erhältlich seien, konnte Fürstner nicht sagen.

Als positiven Schritt sieht der VDZ die von der Koalition angekündigte Änderung des Urheberrechts im Internet zugunsten der Verlage. Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Zeitschriften und Zeitungen müsse auf die Online-Presse ausgedehnt werden. Dies sei eine der wenigen Möglichkeiten, die Presse unter Wahrung ihrer Unabhängigkeit zu unterstützen.

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