Zeitschriftenszene
Medienkrise erreicht Business Week

Der Umbruch in der US-Zeitschriftenszene trifft nun auch eines ihrer Aushängeschilder. Nach einem Einbruch der Anzeigenerlöse von 30 Prozent im zweiten Quartal wolle sich die McGraw-Hill-Gruppe von dem Blatt trennen.

NEW YORK. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass. McGraw-Hill, zu der auch die Ratingagentur Standard & Poor's gehört, die kleine Investmentbank Evercore mit dem Verkauf beauftragt hat. Weder der Konzern noch die Bank wollte sich dazu äußern.

Die 1929 gegründete Business Week gehört neben den Magazinen Fortune und Forbes zu den Flagschiffen unter den US-Wirtschaftsmagazinen. Die ganze Branche leidet wegen der Abwanderung der Kunden ins Internet unter einem rückläufigen Anzeigenaufkommen. Verschärft wird die Situation durch die aktuelle Rezession. Insbesondere die Krise der Autobauer, traditionell große Werbekunden, wirkt sich dabei negativ aus. Nach Daten der Verlegerverbandes ging der Printanzeigenmarkt im ersten Quartal um 22 Prozent zurück, während der Gesamtwerbekuchen in den USA um zwölf Prozent schrumpfte.

Diese Entwicklung dürfte es schwierig machen, einen Käufer für Businessweek zu finden. Die Branche reagiert bislang sehr unterschiedlich auf die Misere. So entschloss sich der Verlag Conde Nast im April, das Wirtschaftsmagazin Portfolio nach zwei Jahren wieder zu schließen. Andere treten dagegen die Flucht nach vorne an. So will die eher im Massenmarkt angesiedelte Newsweek ihre Konzept völlig ändern und auf besonders hochwertige Leserkreise setzen. Geschäftsführer Tom Ascheim will den Abonenntenpreis nahezu verdoppeln und verzichtet im Gegenzug freiwillig auf die Hälfte der Auflage. Er hofft dadurch vor allem hochwertigere Werbekunden anzuziehen und kann gleichzeitig Druck- und Vertriebskosten einsparen. Unklar ist, ob die Rechnung bei anhaltender Rezession aufgeht.

Andere Zeitungen und Zeitschriften versuchen sich derzeit im Internet. So verabschiedete sich zuletzt das „U.S. News and World Report“, seit 1933 eine Institution an den Kiosks, weitgehend in die digitale Welt. Mit dieser Strategie laufen die Medienkonzerne allerdings Gefahr, in der Gratiskultur des Internet unterzugehen. Bislang ist es nicht oder nur sehr eingeschränkt gelungen, Leser im Internet dazu zu bewegen, für Inhalte zu zahlen.

Die Tageszeitung „New York Times“ etwa ist bereits zwei Mal mit einem solchen Ansatz gescheitert. Ihr rannten schlicht die Leser weg. Derzeit sondiert das angeschlagene Blatt aber erneut die Bereitschaft der Leser, für die Nutzung der Zeitungswebsite eine Gebühr zu zahlen. Erwogen wird ein Monatspreis von fünf Dollar für Nicht-Abonennten und 2,5 0 Dollar für regelmäßige Leser der Printausgabe. Zum Vergleich: Eine Wochentagsausgabe der Zeitung kostet derzeit zwei Dollar, der Monatsbezugspreis liegt bei 45 Dollar.

Attraktiv könnte Businessweek in diesem Umfeld dennoch für Käufer sein, die es mit einem neuen Geschäftsmodell probieren wollen. Die Zeitschrift hat immerhin wöchentlich 4,9 Millionen Leser in 140 Ländern weltweit. Die letzte Überarbeitung des Erscheinungskonzepts liegt allerdings schon etwas zurück. Nach der Abschaffung der Europa- und Asienausgabe gab es 2007 einen Relaunch mit globaler ausgerichtete Themen und einer neuen Schwerpunkt auf Anlageberatung für den Leser.

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