Zeitschriftenverlag
Gruner+Jahr schreibt rote Zahlen

2012 war ein stürmisches Jahr für Gruner+Jahr: Der Vorstandschef schied aus, die deutsche Financial Times wurde eingestellt. Insgesamt fällt der Umsatz deutlich ab — auch wegen eines schwachen Anzeigenmarktes.
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HamburgNach einem turbulenten Geschäftsjahr 2012 sieht sich die Zeitschriftengruppe Gruner+Jahr für die Herausforderungen im Medienmarkt gewappnet. „Wir wollen das führende Haus der Inhalte sein, das in der digitalen Welt erfolgreich ist“, kündigte Vorstandsmitglied Julia Jäkel am Mittwoch in Hamburg an. Dazu solle der Verlag mit Marken wie „Stern“, „Geo“ und “Brigitte“ besser, schneller, effizienter und digitaler werden. 2012 musste das Unternehmen zum zweiten Mal in der Verlagsgeschichte einen Verlust verkraften. „Es gab schon rosigere Zeiten“, sagte Jäkel.

Der Jahresfehlbetrag lag bei 11 Millionen Euro nach einem Gewinn von 160 Millionen Euro im Vorjahr. Kosten für die Einstellung der Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ sowie Sonderabschreibungen belasteten das Ergebnis mit rund 100 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schrumpfte auf 50 Millionen Euro nach 202 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz war mit 2,22 Milliarden Euro um 3,0 Prozent rückläufig. 2013 rechne er wieder mit einem „angemessenen Jahresüberschuss“, kündigte Finanzvorstand Achim Twardy an. Das Unternehmen werde aber noch nicht an das Niveau von 2011 anknüpfen.

Im vergangenen Jahr seien wichtige Weichen gestellt und Veränderungen angestoßen worden, teilte der Vorstand mit. Er hatte die stets defizitäre „FTD“ eingestellt und die Wirtschaftsmagazine „Impulse“ und „Börse Online“ verkauft. Das Digitalgeschäft wurde zusammengeführt. Im Vorstand teilen sich Julia Jäkel (Deutschland), Torsten-Jörn Klein (Ausland) und Achim Twardy (Finanzen) die Aufgaben, einen Vorstandschef gibt es aktuell nicht.

Etablierte Marken sollen neuen Glanz entfalten, unter anderem das Magazin „Stern“. Die umstrukturierte Redaktion um den designierten Chefredakteur Dominik Wichmann hat dem Heft jüngst ein neues Gesicht mit einem Relaunch gegeben.

In die Umsetzung der Produkte in digitale Angebote sollen mehr Investitionsmittel fließen, ihr Umfang wurde aber nicht beziffert. Auch Firmenzukäufe sind dafür geplant. Der Verlag werde sich auf die asiatischen Wachstumsmärkte wie China und Indien fokussieren, kündigte der Auslandschef an. Nach Deutschland, Frankreich und den USA dürfte sich China als viertgrößter Markt - vor Österreich - für den Verlag etablieren.

Gruner + Jahr beschäftigt weltweit 11 585 Mitarbeiter, davon knapp 6000 in Deutschland. Mehrheitseigener ist Bertelsmann mit 74,9 Prozent, die Hamburger Verlegerfamilie Jahr hält eine Sperrminorität von 25,1 Prozent.

Kommentare zu " Zeitschriftenverlag: Gruner+Jahr schreibt rote Zahlen"

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  • Wegen mir können alle Verlage, die nur mit verdümmlichender, einseitiger, hirnwäschender, linker Volskerziehungsagenda agieren abdanken.

    's bröselt ja schon.

    Ich kann nur raten: Das Leben ist links wie rechts, wie oben wie unten.

    Eine sinnhafte Presse weiss darum und berichtet entsprechend ausgewogen.

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