Zeitung erscheint im Tabloid-Format
Promis werben für neue „Frankfurter Rundschau“

Die „Frankfurter Rundschau“ (FR) wirbt mit Prominenten für die heutige Einführung im Tabloid-Format. Bei einer Straßenverteilaktion trommeln Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der Kölner Verleger Alfred Neven DuMont für die Umstellung auf das handliche Format. Mit der Reform will das linksliberale Blatt dringend benötigte neue Leser gewinnen.

DÜSSELDORF. „Wir wollen neue Zielgruppen gewinnen, vor allem Frauen und Leser zwischen 30 und 40 Jahren“, sagte Chefredakteur Uwe Vorkötter am gestrigen Dienstag dem Handelsblatt. Die FR, die seit Juli 2006 mehrheitlich der Verlagsgruppe DuMont Schauberg („Kölner Stadtanzeiger“) gehört, leidet unter massivem Auflagenverlust. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre ist die verkaufte Auflage um über 21 000 auf knapp 172 000 Exemplare gesunken.

Die Einführung des Tabloids ist von großer Bedeutung für die gesamte Zeitungsbranche. Auch andere Verlage prüfen angesichts bröckelnder Auflagen eine Umstellung. „Das nordische Format geht den Weg der Dinosaurier. In fünf bis zehn Jahren wird es verschwunden sein“, prognostiziert Vorkötter. In Deutschland spielt das Tabloid aber nur eine bescheidene Nebenrolle. Bislang erscheint von den großen Blättern nur eine Ausgabe der „Welt“ im handlichen Kleinformat. Der Verlag Axel Springer hat es aber noch nicht gewagt, die Zeitung komplett auf Tabloid umzustellen.

Europaweit ist das Tabloid längst Standard. In Großbritannien hatten die Qualitätsblätter „Independent“ und „Guardian“ auf das kleine Format umgestellt. Die führende spanische Zeitung „El Pais“ erscheint seit ihrer Gründung im Tabloid-Format.

Die „Frankfurter Rundschau“ ist die erste überregionale Abonnement-Zeitung, die jetzt komplett auf Kleinformat umstellt. Das Risiko ist nach Meinung von Experten hoch. „Ich erwarte kurzfristig negative Effekte. Alt-Abonnenten sind in der Regel konservativ eingestellt. Das wird zu Abbestellungen führen“, prognostiziert der Zeitungsexperte Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut. Grundsätzlich beurteilt der Wissenschaftler die Umstellung aber positiv: „Der Zeitungsmarkt braucht angesichts sinkender Auflagen dringend Neuerungen. Die Verlage müssen mutiger werden und ihre Produkte verändern.“

Auch Martin Fabel, Medienexperte der Unternehmensberatung AT Kearney, sieht das Experiment positiv: „Das kleine Format kommt insbesondere bei Pendlern gut an. Deshalb ist Frankfurt ein gutes Pflaster für ein Tabloid.“ Tabloids erleichtern insbesondere das Zeitunglesen in Zügen, Bussen und U-Bahnen. Allerdings warnt Unternehmensberater Fabel davor, das kleine Zeitungsformat nur einzuführen, um die Kosten zu senken. „Die Kostenvorteile beispielsweise durch den geringeren Papierverbrauch sind eher gering“, sagte der Medienexperte am Dienstag.

Vorbild für die FR ist die Stockholmer Zeitung „Svenska Dagbladet“, die mit großem Erfolg auf das Kleinformat umgestellt hat Das 1884 gegründete Blatt erscheint in der norwegischen Mediengruppe Schibsted, die mit ihren Gratiszeitungen den europäischen Zeitungsmarkt aufgewirbelt hat. Ähnlich wie das Stockholmer Blatt verkauft die FR vier von fünf Zeitungen im Abonnement. Die Einführung des Tabloids ist Teil einer Strategie, um die FR wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. „Wir sind bis 2008 in einem Sanierungsprogramm“, sagt Vorkötter. Es gehe darum, die Grundlagen für die wirtschaftliche Zukunft des Blattes zu schaffen.

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