Zeitung Libération vor dem Aus: Kulturzentrum statt schwer verkäufliche Nachrichten

Zeitung Libération vor dem Aus
Kulturzentrum statt schwer verkäufliche Nachrichten

Eine der größten Zeitungen Frankreichs, die Libération, soll ein Kulturzentrum mit „geldträchtigen Inhalten“ werden. Nun ist die Belegschaft auf den Barrikaden und verzichtet freiwillig auf Streik.
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ParisDer Schock sitzt tief: „Libération“, eine der größten Zeitungen Frankreichs, gegründet von Jean-Paul Sartre vor über 40 Jahren, soll ein „soziales Netzwerk“ mit „geldträchtigen Inhalten“ werden. Der Überraschungsplan der Haupteigner des linksliberalen Blattes sieht obendrein vor, aus dem Zeitungshaus inmitten der französischen Hauptstadt ein Kulturzentrum mit Café, TV-Studio, Bar und Räumen für Start-ups zu machen. Nun ist die Belegschaft auf den Barrikaden, verzichtet sogar freiwillig auf Streik, denn es geht aus ihrer Sicht ernsthaft ums Überleben ihrer in schweren Finanznöten steckenden Zeitung.

Die 290 Angestellten von „Libé“ haben zunächst beschlossen, ihre Zeitung als Waffe gegen die Hauptaktionäre zu wenden. Einen Vorgeschmack bekamen die bereits am vergangenen Wochenende: In Großbuchstaben prangte auf der Titelseite: „Wir sind eine Zeitung, kein Restaurant, kein soziales Netzwerk, kein Kulturzentrum, kein TV-Studio, keine Bar...“ Manche drohen gar mit Recherchen gegen den Geschäftsmann und Immobilienunternehmer Bruno Ledoux, der 26 Prozent der Zeitung hält und den Umstrukturierungsplan den völlig überraschten Redakteuren am Freitagabend an den Kopf geknallt hatte.

„Wir sind nicht gegen einen Ort der Kultur oder andere Aktivitäten rund um Libération, wenn die Zeitung der Mittelpunkt bleibt“, hebt Tonino Serafini von der Gewerkschaft SUD hervor. Viele bei der linksgerichteten Zeitung, die auf ihre Werte stolz ist, rechnen aber mit dem Gegenteil: „Libération“ solle nur noch als inhaltsleere Marke erhalten bleiben, um letztlich andere Produkte zu verkaufen.

Hinzu kommt, dass die Redaktion aus ihren angestammten Räumen an den Stadtrand verbannt werden soll. Nun kursieren Vermutungen, dass das Zeitungshaus im angesagten Marais-Viertel, das mehrere Millionen Euro wert ist, vorsorglich aus einer möglichen Konkursmasse gezogen werden soll.

Geschlossen wandten sich die Belegschaftsvertreter also gegen ein „Libéland“ oder „Libéworld“. Im Grunde sei der Umstrukturierungsplan ein "Putsch der Aktionäre gegen Libération, seine Geschichte, seine Belegschaft, seine Werte“.

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Höchste Zeit für radikale Lösungen

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