Zeitungsbranche
Montgomery greift wieder zu

Der Medienunternehmer David Montgomery setzt seine Einkaufstour in der Zeitungsbranche fort. Nachdem der Chef der Investmentgesellschaft Mecom bereits in Deutschland zugeschlagen hatte, übernimmt er nun auch das norwegische Medienhaus Orkla – Nordeuropas fünftgrößter Verlag.

STOCKHOLM / DÜSSELDORF. Norwegens Kulturminister Trond Giske machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. „Ich hätte lieber einen norwegischen Eigner für Orkla Media gesehen“, sagte er nach Gesprächen mit der Leitung des norwegischen Medienhauses. Er hat sich nicht durchsetzen können: Orkla Media wurde kürzlich an die Investmentgesellschaft Mecom des britischen Medienunternehmers David Montgomery für 970 Mill. Euro verkauft. An jenen Montgomery also, der schon die deutsche Medienwelt in Angst und Schrecken versetzte, als er im vergangenen Jahr zusammen mit Partnern die „Berliner Zeitung“ und den „Berliner Kurier“ sowie Anfang dieses Jahres die „Hamburger Morgenpost“ übernahm. Verkäufer war die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, Verleger des Handelsblatts, die aus wettbewerbsrechtlichen Gründen die Berliner Zeitungsgruppe nicht übernehmen durfte.

Montgomery ist für viele in der Zeitungsbranche ein rotes Tuch. Damals wie heute gab es Proteste der redaktionellen Mitarbeiter, die um die journalistische Unabhängigkeit und ihre Arbeitsplätze fürchteten. Allerdings kündigte Montgomery diese Woche ein langfristiges Engagement an. Mit dem Kauf von Orkla Media, der Mediensparte des Mischkonzerns Orkla, hat Montgomery seinen bisher größten Coup gelandet. Der norwegische Mutterkonzern, der von Lebensmitteln bis zu Metall, von Finanzdienstleistungen bis zu Energie, eine bunte Schar ganz unterschiedlicher Produkte anbietet, wollte sich von seiner Mediensparte trennen, die wegen Anzeigen- und Auflagenrückgangs in Schwierigkeiten geraten war.

Orkla Media ist Nordeuropas fünftgrößter Verlag mit Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und TV-Stationen sowie digitalen Medien in acht Ländern. Neben dem Heimatmarkt Norwegen ist das Unternehmen vor allem in Dänemark und Polen aktiv. In Dänemark gehört den Norwegern die größte Tageszeitung „Berlingske Tidende“. In Polen ist der Medienkonzern mit 13 Zeitungen vertreten. Außerdem unterhält der Konzern in Litauen und der Ukraine Zeitungen und Zeitschriften.

In Deutschland ist die Orkla Media-Gruppe mit der „Netzeitung“ auf dem Markt. Die deutsche Orkla Media-Sparte ist nicht Bestandteil der Übernahme durch Mecom. Derzeit gibt es Spekulationen, Orkla werde schon in den kommenden Monaten über einen separaten Verkauf der „Netzeitung“ entscheiden. Chefredakteur Michael Maier sagte am Wochenende jedoch: „Es gibt keine Verkaufsgespräche“. Die „Netzeitung“ profitiere derzeit vom stark wachsenden Werbemarkt für Online-Medien. „Wir erreichen in diesem Jahr den Break-even. Unsere Erlöse werden um 30 Prozent steigern“, sagte Meier dem Handelsblatt.

Orkla ist vor einem Jahr bei der Berliner Online-Zeitung eingestiegen. Wie viel die Norweger an die damaligen Besitzer Michael Maier und Ralf-Dieter Brunowsky, Gründer und Haupteigner der Kölner Bruno Media-Gruppe, zahlten, ist unklar. „Wir betrachten Deutschland als sehr interessanten Medienmarkt mit großen Potenzialen, vor allem im Online-Bereich“, sagte Björn Wiggen, Chef der Mediensparte von Orkla.

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