Zeitungskrieg
Gratisblatt alarmiert Verleger

In Dänemark ist ein erbitterter Zeitungskrieg um Gratisblätter ausgebrochen. Seit Anfang August drei neue Gratis-Zeitungen zusätzlich zu den zwei bereits seit Jahren konkurrierenden Produkten auf den Markt kamen, sehen Medienfachleute die etablierten Verlagshäuser in den nächsten Jahren von Millionenverlusten bedroht.

STOCKHOLM. Am 6. Oktober geht der Konflikt in eine neue Runde: Dann soll mit der Zeitung „Nyhedsavisen“ jenes Gratisblatt erscheinen, das den erbitterten Zeitungskrieg zwischen den traditionellen Verlagshäusern und den Neulingen zum Nulltarif vor Monaten ausgelöst hatte. Anfang des Jahres hatte der isländische Medienkonzern Dagsbrún mit der Ankündigung, eine direkt zugestellte Gratiszeitung in Dänemark herauszugeben, für fieberhafte Aktivitäten in den dänischen Verlagshäusern gesorgt. Denn der isländische Vorstoß trifft die etablierten Tageszeitungen besonders hart, da „Nyhedsavisen“, so ihr agiler Chef Svenn Dam, „morgens zum Frühstück direkt in den Briefkasten geliefert“ wird.

Das war das Startsignal für die beiden Großverlage Jyllandsposten/Politikens Hus und des erst kürzlich an die britische Mecom verkauften Berlingske Officin, sich noch vor dem Start der Isländer mit eigenen Gratis-Zeitungen zu positionieren. Und sie übernahmen die Vertriebsidee: Die neuen Gratisblätter „24timmer“ von Jyllandsposten/Politiken und „Dato“ von Berlingske Officin werden nicht, wie bisher bei diesen Zeitungen üblich, an Bushaltestellen, U-Bahnhöfen und anderen belebten Plätzen verteilt, sondern direkt vertrieben.

Die neuen Gratiszeitungen im Tabloidformat erscheinen in den größeren Städten Dänemarks mit einer Gesamtauflage von knapp zwei Millionen Exemplaren. Inhaltlich sind die Blattmacher noch auf der Suche nach dem richtigen Konzept: Neben Kurzmeldungen dominieren Verbrauchertipps und Nachrichten aus der Welt der Stars und Sternchen. Doch so richtig rund läuft es noch nicht, wie man an empörten Leserreaktionen über fehlende Fussballergebnisse vom Vorabend sehen kann.

Die neuen Zeitungen haben Probleme, geeignete Druckereien zu finden und müssen sich deshalb mit freien Kapazitäten am frühen Abend zufrieden geben. Dennoch ist Poul Madsen, Chefredakteur von „24timer“, fest davon überzeugt, dass seine Landsleute in den kommenden Monaten „die größte Veränderung in der Zeitungsgeschichte Dänemarks“ erleben werden.

Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, ist Erfindungsreichtum dieser Tage auf dem dänischen Medienmarkt gefragt. So verspricht die noch gar nicht erschienene „Nyhedsavisen“ ihren Anzeigenkunden eine Million Leser jeden Tag. Wird das nicht erreicht, gibt es kräftige Rabatte. Und um nicht zu sehr in den eigenen Häusern zu kannibalisieren, werden „Dato“ und „23timmer“ nicht bei Abonnenten von Politiken, Jyllandsposten und Berlingske Tidende in den Briefkasten geworfen. Deren Leser zahlen immerhin für ihre Jahresabos 2500 Kronen (335 Euro).

Seite 1:

Gratisblatt alarmiert Verleger

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%