Zeitungskrise
„LA Times“ recherchiert ihre Zukunft

Die Krise bei der amerikanischen Tageszeitung „Los Angeles Times“ treibt immer neue Blüten. Nachdem sich zunächst Chefredakteur Dean Baquet geweigert hatte, die Sparbefehle der Verlagsmanager aus Chicago umzusetzen, hat er jetzt seinen besten investigativen Reportern den Auftrag gegeben, die Zukunft des Blattes zu recherchieren.

NEW YORK. Die viertgrößte Zeitung Amerikas versucht damit, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. „Wir sollten nicht darauf warten, dass die Verlagsleitung oder ein Unternehmensberater Ideen vorlegt, um unsere Zukunft zu sichern“, sagte Marc Duvoisin in einem Interview mit der Tageszeitung „New York Times“. Der stellvertretende geschäftsführende Redakteur soll das Team aus drei Reportern und sechs Redakteuren leiten. Ihre Aufgabe ist es, in den nächsten zwei Monaten Ideen aus den USA und dem Ausland zusammenzutragen, mit denen die „Los Angeles Times“ sowohl als Druckerzeugnis überleben als auch ihr Online-Angebot verbessern kann.

Dass Journalisten an der Weiterentwicklung ihres Produkts beteiligt werden, ist zwar nicht ungewöhnlich. Meist beschränkt sich ihr Beitrag jedoch auf die redaktionelle Seite. Die Redakteure der „LA Times“ wollen jedoch auch die wirtschaftlichen Probleme ihrer Zeitung bei der Recherche mitberücksichtigen.

Die Verlagsleitung ist von der Initiative der Redaktion derart begeistert, dass sie dem Vorhaben den symbolträchtigen Namen „Manhattan Projekt“ gegeben hat. „Das macht die Bedeutung und Dringlichkeit deutlich“, sagte der neue Herausgeber David Hiller. Er hat erst vor wenigen Tagen Jeffrey Johnson abgelöst, den das Mutterhaus Tribune in Chicago wegen seiner offenen Rebellion gegen weitere Stellenkürzungen kurzerhand gefeuert hatte. Chefredakteur Baquet blieb jedoch im Amt.

Der Name „Manhattan Projekt“ ist eine bewusste Anspielung auf das gleichnamige Unterfangen, mit dem die USA während des Zweiten Weltkrieges die besten Köpfe des Landes zusammentrommelten, um die Atombombe zu entwickeln. Bei der Tribune wollte man die Aktivitäten in Los Angeles nicht kommentieren. Ein Sprecher des Blattes bestätigte aber die Initiative der Redaktion.

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