Zeitungskrise
Wie die Zukunft der Zeitungen aussehen soll

Die einen jammern, die anderen handeln: Weltweit suchen Zeitungen nach neuen Strategien gegen Leserschwund und Werbekrise – und nach einem funktionierenden Geschäftsmodell im Internet. Eine Reise durch Verlagshäuser in London, Lissabon und Berlin.

LONDON/DÜSSELDORF. Schwindel. „Vertigo“, sagt der Mediziner. Dieses Gefühl erfasst den Besucher beim Blick durch die mannshohe Glasscheibe hinab ins Treppenhaus. Licht ist es im neuen Gebäude am Londoner Kings Place. Licht. Die Architektur ist Programm: futuristisch, modern, morgen. Unten Konferenzräume, weit und weiß, gespickt mit knallbunten Sitzmöbeln, und ein Großraumbüro, aus dem Geschäftigkeit hinaufvibriert.

Vertigo. Nicht nur wegen des Gefühls, jeden Moment durch die Scheibe hinabfallen zu können. Sondern auch, weil hinter dem Besucher ein langer Tisch steht, auf den Kameras, Mikrofone und Lampen gerichtet sind – eine Ausstattung, wie sie ein professionelles Fernsehstudio eben braucht.

Nur ist dies hier nicht die mit Milliarden an Rundfunkgebühren ausgestattete BBC. Dieses Studio gehört, so wie die sechs kleineren nebenan, einer Zeitung: dem „Guardian“. Und wer hier an der Glasscheibe zum Treppenhaus steht, dem wird schwindelig. Denn ihm wird klar, wie groß der Umbruch in dem immer noch wichtigsten Informationsmedium der Welt sein wird: den Tageszeitungen. Einige von ihnen sterben, andere verlegen sich aufs Jammern. Aber viele von ihnen sind dabei, sich selbst neu zu erfinden – so wie der „Guardian“. Eine Reise durch Verlagshäuser in London, Lissabon und Berlin zeigt: Nie gab es so viel Bewegung in den Zeitungen wie heute.

Geboren wird die Bewegung aus der Not. Die Verlage müssen handeln: Das Internet saugt ihre Leser ab, sorgt aber nicht für genug neue Erlöse, um Qualitätsredaktionen zu finanzieren. Werbekunden wandern ab. Junge Menschen informieren sich vielerorts nur noch per Computer. Sie verbringen mehr Zeit in sozialen Netzwerken wie Facebook, anstatt Zeitung zu lesen. Und all diese Strukturprobleme werden durch die Wirtschafts- und Werbekrise turbobeschleunigt. Vertigo.

Händeringend suchen Verlagsmanager weltweit nach jenen, die noch Luft und Ideen haben, um neue Wege zu gehen – in der Hoffnung, dass irgendjemand die Lösung für die existenzgefährdende Strukturkrise findet. So verkündete Großverleger Rupert Murdoch vergangene Woche, all die Nachrichten-Sites seines News-Corp-Reiches mit Blättern wie „Times“, „Sun“ und „Wall Street Journal sollten bald nur noch gegen Bezahlung lesbar sein. „Qualitätsjournalismus ist nicht billig“, sagt Murdoch. „Die digitale Revolution hat viele neue und kostengünstige Verkaufskanäle geöffnet.“

Andere Verlage versuchen mit Macht, alle neuen digitalen Kanäle zu bedienen. Wieder andere setzen auf spektakuläre Optik in ihren Blättern oder bauen konsequent ihre exklusiven Inhalte aus.

Was sie eint: Alle blicken sie gen London, auf das Gebäude mit dem Schwindelfaktor. Hier beim „Guardian“ läuft das größte Medienexperiment der weltweiten Zeitungsindustrie: Kann aus einem Unternehmen, das seit 1821 Informationen auf Papier druckt, ein Nachrichtendienstleister werden?

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