Zeitungsmarkt
Herausgeberstreit überschattet SZ-Verkauf

Ein Streit unter den Gesellschaftern überschattet den geplanten Verkauf des Süddeutschen Verlags. Mit Hilfe einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung in den kommenden Wochen versuchen die verkaufswilligen Eigentümer den Mitgesellschafter Johannes Friedmann aus dem Herausgeberrat zu drängen. Der Vorwurf: Friedmann habe dem Verlag geschadet.

DÜSSELDORF. Friedmann, Verleger der „Abendzeitung“, hatte den leitenden Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“ Arno Makowsky für den Chefredakteursposten der Boulevardzeitung abgeworben. „Das ist nicht gerade die feine englische Art“, hieß es in Gesellschafterkreisen über Friedmann. Der Verleger habe ohne Absprache und geschäftsschädigend gehandelt.

Die Abwahl Friedmanns im Herausgeberrat gilt als sicher. Denn bereits eine einfache Mehrheit in der Gesellschafterversammlung genügt dafür. Der verkaufsunwillige Friedmann hält 18,75 Prozent der Anteile am Süddeutschen Verlag. Die verkaufswilligen Gesellschafterfamilien Goldschagg, Schwingenstein, Dürrmeier und von Seidlein gehören 62,5 Prozent des Zeitungskonzerns.

Der Verkaufsprozess des Süddeutschen Verlags läuft unterdessen auf Hochtouren. „Der Verkaufsprozess wird durch den Konflikt nicht negativ beeinflusst“, heißt es in Gesellschafterkreisen. Derzeit prüfen die Interessenten die Bücher (Due Diligence). Zu den Finalisten gehören der Zeitungskonzern DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“), die WAZ-Gruppe, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt, „Zeit“) und Finanzinvestoren. In Gesellschafterkreisen wird erwartet, dass das Durchforsten der Zahlen noch vier Wochen in Anspruch nehmen wird. Dann könnten die Interessenten verbindliche Angebote vorlegen. Derzeit wird ein Preis von über eine Mrd. Euro erwartet.

Die finanzstarke WAZ-Gruppe erneuerte am gestrigen Dienstag ihr Interesse. Der Medienkonzern aus dem Ruhrgebiet, der in Nordrhein-Westfalen und Thüringen stark ist, prüft derzeit die Bücher. „Wir sind im normalen Verfahren“, sagte ein Konzernsprecher. WAZ-Chef Bodo Hombach hatte erst im Frühjahr die „Braunschweiger Zeitung“ für 210 Mill. Euro gekauft. Ein Kartellproblem hätte die WAZ in Bayern nicht. Dort ist der Konzern nur mit der kleinen Tageszeitung „Kitzinger“ in Mainfranken vertreten.

Auch Holtzbrinck hat großes Interesse. „Der Erwerb der ,Süddeutschen Zeitung' wäre für uns eine ideale Möglichkeit, unsere Position im Qualitätsjournalismus auszubauen. Auch in der Anzeigenvermarktung würden sich mit diesem Kauf große Chancen ergeben“, sagte kürzlich Jochen Gutbrod, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

Ob ein Interessant am Ende überhaupt zum Zug kommt, entscheidet die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH). Die Zeitunggruppe, die mit 18,5 Prozent am Süddeutschen Verlag beteiligt ist, hält ein Vorkaufsrecht. Die SWMH kann bei einem Angebot eines Interessenten innerhalb von drei Monaten gleichziehen und erhält damit den Zuschlag.

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