Zeitungssterben
"La Tribune" auf der Suche nach Hilfe

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis zum 16. Dezember können sich potenzielle Investoren beim Pariser Handelsgericht melden, wenn sie Frankreichs notleidende Wirtschaftszeitung "La Tribune" übernehmen wollen.
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Düsseldorf, ZürichIn französischen Medienkreisen zirkulieren sogar Namen wie der des ehemaligen Sarkozy-Beraters Raymond Soubie. Doch dieser dürfte mit seiner Presse-Agentur allenfalls am Markennamen von Frankreichs zweitgrößter Wirtschaftszeitung interessiert sein, heißt es intern bei "La Tribune".

Seit Jahren geht es mit der Zeitung wirtschaftlich bergab. Die Schulden belaufen sich auf zehn Millionen Euro, pro Monat macht das Blatt 300000 Euro Verlust. Dabei wurde die Redaktion bereits von 135 auf 78 Journalisten reduziert. Nun droht "La Tribune" das Aus. Denn seit anderthalb Jahren schon sucht Geschäftsführerin Valérie Decamp einen neuen Investor - bisher vergeblich.

Das Schicksal von "La Tribune" ist symptomatisch für die Lage von Frankreichs Tageszeitungsmarkt. Auch Konkurrent "Les Echos", Marktführer der Wirtschaftspresse, schreibt rote Zahlen. Und ab Dezember stellt das Traditionsblatt "France Soir" die Papierausgabe ein und zieht sich in die digitale Welt zurück. Doch ob dem russischen Eigentümer Alexander Pugatschow damit bei "France Soir" noch die Wende gelingt, wird bezweifelt. Vor Jahren wollte auch der "Bild"-Konzern Axel Springer mit einem Boulevardangebot in den französischen Markt einsteigen. Doch nach eingehenden Marktstudien ließ Vorstandschef Mathias Döpfner die Idee wieder fallen.

Insgesamt leidet die Branche seit Jahren unter sinkenden Leserzahlen, massiven Vertriebsproblemen und abwandernden Werbekunden. Im Namen der Pluralität pumpt der Staat jedes Jahr rund eine Milliarde Euro Subventionen in die Presse - das Spektrum reicht von Zuschüssen bis hin zum subventionierten Vertrieb durch die staatliche Post.

Angesichts der prekären Lage der Blätter häufen sich die Eigentümerwechsel. Der Erwerb einer Tageszeitung erfolgt in Frankreich mittlerweile eher nach Machtkalkül als nach ökonomischen Kriterien. So besitzt der Rüstungsindustrielle Serge Dassault "Le Figaro". Und Frankreichs Vorzeigeblatt "Le Monde" rettete vergangenes Jahr ein illustres Investorentrio aus dem Bankier Matthieu Pigasse, dem Unternehmer Pierre Bergé sowie dem Telefon-Milliardär Xavier Niel vor dem finanziellen Desaster.

Auch hinter "La Tribune" stand lange Jahre ein potenter Eigner: Bernard Arnault, Gründer und Großaktionär der Luxusholding LVMH.

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  • Interessant an der Thematik ist auch die neue Form der Meinungsbildung. Bisher konnten bestimmte Zeitungen mit 4 großen Buchstaben in Deutschland doch die Meinung der Masse manipulieren. Über Netzzeitungen gelingt das sicher schwerer, wenn überhaupt. Abgesehen davon daß man das klassische Klientel solcher Zeitungen kaum über Computer erreichen kann. Es kommen interessante Zeiten.

  • Die Verleger hatten weltweit alle Möglichkeiten. Aber a) waren die Verbände zu träge und b) wollte man die Entwicklung des Internets erst einmal abwarten, nachdem viele einige Jahre zuvor Bruchlandungen im BTX erlitten hatten.
    So viele Jahre waren Verlage reine Gelddruckmaschinen. Mit den finanziellen Möglichkeiten hätte man sich die eigenen Kernkompetenzen im Internet sichern können. Statt dessen wurde geschlafen und viel zu spät Kunstprodukte geschaffen, die keiner haben wollte und ewig defizitär bleiben ( zb. Kalaydo in Westdeutschland, für die Verleger Jahr für Jahr viele Millionen abführen dürfen ).
    Die Verlage von gestern sind heute die ebays, Amazons und Autoscouts der Welt. Und die Tendenz wird mit fortschreitendem Aussterben der zeitungslesenden Generationen immer schimmer. Es ist nicht schwer zu prognostizieren, dass es viele Zeitungen in nicht allzu ferner Zeit nicht mehr geben wird. Durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse werden einige den Tod noch herauszögern können, aber ein Zukunftsprojekt ist die Zeitung eben nicht mehr.
    Da helfen auch keine Versuche wie epaper oder neuerdings Ipad Apps. Sie ändern am Gesamtkonzeot nichts.

  • Es lässt sich im Internet kein Geld für Zeitungen verdienen, die gegen die Meinung ihrer Leserschaft anschreiben. Zum Beispiel in Sachen Euro-Schuldenkrise. Der Leser ist bestenfalls vergrätzt - zahlen wird er da nicht auch noch.
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    Das wird seitens der deutschen online-Plattformen noch nicht gesehen - wird aber schmerzlich auf sich aufmerksam machen.

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