
PARIS. Frankreichs Traditionszeitung "Le Monde" wird wohl an den Lazard-Banker Matthieu Pigasse, den Telekom-Unternehmer Xavier Niel und den Mäzen Pierre Bergé verkauft. Die Redakteurs-Holding von Le Monde, die knapp die Hälfte der Stimmrechte an der Zeitung hält, hat mit großer Mehrheit für das Investoren-Trio gestimmt. Heute dürfte daher der Aufsichtsrat der Zeitung die Aufnahme exklusiver Verkaufsgespräche mit den Bieter beschließen.
Die Redakteure lehnten damit ein Angebot des Verlegers des Magazins "Le Nouvel Oberservateur", Claude Perdriel, ab. Dieser hatte sich mit France Télécom und der spanischen Verlagsgruppe Prisa verbündet. Unfreiwillige Schützenhilfe bekamen Bergé, Niel und Pigasse von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Der hatte Le-Monde-Geschäftsführer Eric Fottorino zu sich zitiert, um ihm klar zu machen, dass er keinen Verkauf der einflussreichen Tageszeitung an das Investoren-Trio wünsche - und mit diesem Versuch der Einflussnahme die Le-Monde-Redakteure gegen sich aufgebracht.
Sarkozy muss sich in zwei Jahren zur Wiederwahl stellen, daher wollte er offenbar versuchen, die ihm nicht genehmen Bieter aus dem Rennen zu werfen. Denn der Banker Pigasse ist Eigentümer des linken Magazins "Inrockuptibles" und beriet die sozialistischen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn und Laurent Fabius; der Millionär Pierre Bergé unterstützt seit Jahren finanziell die sozialistische Spitzenpolitikerin Ségolène Royal; Xavier Niel, mit seinem Telekom-Startup Iliad/Free zum Milliardär geworden, entzieht sich jeglicher politischer Kontrolle.
Doch der Verkauf an die Drei ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Ihr Projekt der Rekapitlasierung sieht vor, aus der Aktiengesellschaft Le Monde S.A. eine Kommanditgesellschaft zu machen. Damit würden die Drei auf Dauer ihren bestimmenden Einfluss bewahren.
Le Monde ist nicht die einzige Zeitung, die Geld braucht. Die Wirtschaftszeitung "La Tribune", Partner des Handelsblatts, braucht bis Ende des Jahres zehn Mio. Euro; das auflagenstarke Boulevard-Blatt "Le Parisein/Aujourd?hui en France" steht zum Verkauf.