Zeitungsverlage im Internet: Türsteher statt Supermann

Zeitungsverlage im Internet
Türsteher statt Supermann

Wie können Medienhäuser im Internet Geld verdienen? Im neuen Jahr wollen etliche Verlage versuchen, Bezahlmodelle zu etablieren. Doch die Schranken dürften ziemlich durchlässig sein. Ein Überblick.
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DüsseldorfAusgerechnet der mächtigste Mann des Planeten kehrt der gedruckten Zeitung den Rücken. Der Reporter Clark Kent, besser bekannt in seiner Rolle als Supermann, verlässt in der jüngsten Folge der Comic-Reihe sein angestammtes Blatt „Daily Planet“ und wird Blogger.

Wer den klassischen Medien etwas Böses will, mag in dieser Geschichte ein Signal sehen. Doch die Verlage setzen nicht auf fliegende Superhelden. Immer mehr denken stattdessen laut darüber nach, virtuelle Türsteher aufzustellen und für bestimmte Inhalte Eintritt zu verlangen.

Denn um die vielerorts schrumpfenden Einnahmen mit Printprodukten wieder auszugleichen, wollen sie zumindest für einige ihrer jahrelang kostenlosen Online-Produkte Geld verlangen – nicht nur fürs E-Paper, das auf dem iPad der echten Zeitung durchaus ähnlich sieht. Wenn die deutschen Verlage ihre Ankündigungen wahr machen, könnte 2013 das Jahr der Bezahlschranke werden. Allerdings einer ziemlich durchlässigen.

Unter genauer Beobachtung steht derzeit der Axel-Springer-Verlag: Das Medienhaus redet viel und seit langem vom Bezahlen im Netz und hat im Dezember beim Online-Auftritt seiner Zeitung „Die Welt“ eine Art Mauthäuschen aufgestellt, auch für die „Bild“ will es bald in einer noch nicht bekannten Form kassieren.

Allerdings ist die Kontrolle bei der „Welt“ nicht sehr strikt: Nach dem Vorbild der „New York Times“ können Besucher jeden Monat bis zu 20 Artikel gratis lesen – danach werden sie dazu aufgefordert, ein Abo zu Monatspreisen ab 4,50 Euro abzuschließen. Um die Diskussionen in Sozialen Netzwerken nicht abzuwürgen, sind Links von Facebook und Co immer kostenlos erreichbar, ebenso Verweise von Suchmaschinen und anderen Seiten – die Reichweite soll nicht leiden. Auch die Startseite blockiert der Verlag nicht.

Die Bezahlschranke ist ohnehin mit geringem Aufwand zu umgehen. „Wir werden es nicht schaffen, ein absolut sicheres Modell einzuführen“, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner der Wochenzeitung „Die Zeit“. Mit „krimineller Energie“ könne man alles hacken – „aber wir können den virtuellen Raub, nur weil er heute gesellschaftlich anders wahrgenommen wird, moralisch nicht mit mildernden Umständen beurteilen“, betonte Döpfner. Zudem nahm er die anderen Verlage in die Plicht. Entscheidend sei die Frage: „Wie viele andere Verlage ziehen mit? Wenn es viele sind, dann haben alle eine große Chance“, sagte er im „Manager Magazin“.

Die anderen großen Medien bekennen sich zum „Paid Content“, wie der Verkauf von Inhalten im Netz in der Branche häufig genannt wird. Die Formate sind allerdings oft noch unklar. Was sich abzeichnet: Das Grundangebot bleibt bei den meisten kostenlos, gezahlt wird für Extras.

Der „Spiegel“ will Online- und Printredaktion stärker verzahnen, außerdem zusätzliche kostenpflichtige Angebote einführen. Bei „Stern.de“ soll es ein digitales Schaufenster plus Zusatzinformationen für zahlungsfreudige Kunden geben, wie Chefredakteur Frank Thomsen der Agentur dapd kürzlich sagte. Das „Handelsblatt“ vermarktet bereits Dossiers und Pakete auf der ansonsten kostenlosen Website. „Süddeutsche“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wollen ebenfalls Online-Inhalte verkaufen – in welcher Form, ist allerdings noch nicht bekannt.

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  • Was ist eigentlich aus der Idee der Zwangsgebühr für Internetbenutzer geworden, die dann nach Auflagenschlüssen unter den Verlagshäuser verteilt werden könnte? Wo doch jetzt die neue Wohnungssteuer fürs fernsehen und Rundfunk eingeführt wurde, würde das bestimmt Leben in die Diskussion bringen :-)

    Da mir in der Regel bei den allermeisten Angeboten a)angepasste Agenturware, b) anderweitig abgeschriebener Inhalt, oder c)tendenziöse, vorgefertigte Meinungen mit erzieherischem Ansatz geboten werden, aber eben kein authentischer Journalismus mehr, der berichtet und erklärt statt zu belehren, der aufdeckt und entdeckt statt von der Pressekonferenz zu erzählen, ist mir das Massenangebot nicht einen Cent wert.

    Als erstes werde ich auf andere deutschsprachige, dann auf ausländische Medien ausweichen, die man jetzt ohnehin schon braucht, um an den Kern der Wahrheit per Quervergleich zu kommen. Und wenn das dann auch nicht mehr geht, werden sich sicherlich Verwertungsgemeinschaften im Internet bilden. Und wenn das dann auch nicht mehr ginge, dann würde ich eher eine Wochenzeitung wie die Junge Freiheit in Kombination mit einem taz Abo, dass ich mir mit Nachbarn teilen würde, leisten (also zwei gegensätzliche, kleine, noch vertretbare Extreme), bevor ich je einen Cent für ein Erzeugnis des Springer Konzerns, den Spiegel, die Zeit, SZ oder noch schlimmer die Dumont-Machwerke ausgeben würde.

    Das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche sowie die FAZ sind dabei für mich nur schwer ersetzbar. Bei denen würde ich vielleicht einen geringen Pasuchalbetrag pro Monat bezahlen. Aber bei allen anderen genannten: NJET.

  • "schwierig ... für Nachrichten Geld zu verlangen, die es anderswo kostenlos gibt."
    Eben da liegt das Problem: es gibt nur wenige 'echte' Nachrichten, dafür aber sehr viele Autoren, die anderswo abschreiben.

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