Ziebart bleibt
Infineon-Chef steht unter Druck

Rote Zahlen machen dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Ziebart zu schaffen. Jetzt muss er zumindest nicht mehr um seinen Job fürchten: Der Aufsichtsrat hat die Spekaulationen um einen Rauswurf Ziebarts beendet. Derweil bereitet ihm die Kommunikationssparte weiterhin große Sorgen.

fo/jojo. MÜNCHEN. Die Spekulationen um einen Wechsel an der Spitze des Chipherstellers Infineon sind beendet und Wolfgang Ziebart kann erst einmal aufatmen: Der Vorstandschef des Münchener Unternehmens darf weitermachen. Trotz der hohen Verluste sei eine Ablösung des Managers momentan kein Thema, sagte Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley gestern dem Handelsblatt. Ende vergangener Woche hatte die „Süddeutsche Zeitung“ gemeldet, Ziebart stehe wegen der desolaten wirtschaftlichen Lage vor dem Rauswurf.

Wie viel Zeit der Manager nun noch bekommt, um Infineon endlich in die schwarzen Zahlen zu führen, ist allerdings unklar. Denn einzelne Aufsichtsratsmitglieder des zweitgrößten europäischen Halbleiterherstellers seien ausgesprochen unzufrieden mit der wirtschaftlichen Lage der ehemaligen Siemens-Tochter, hieß es am Wochenende im Umfeld des Unternehmens. Innerhalb des Kontrollgremiums sei deshalb in den vergangenen Wochen über eine personelle Verstärkung des Infineon-Vorstands diskutiert worden. Bislang allerdings ohne Ergebnis. Infineon selbst wollte sich zu den Vorgängen nicht äußern.

Infineon-Chef Ziebart steht seit Monaten schwer unter Druck. Einerseits bekommt der ehemalige Conti-Vorstand die Probleme seiner Speicherchip-Tochter Qimonda nicht in den Griff. Infineon hält noch immer 77,5 Prozent der Aktien, das Unternehmen schreibt jedoch hohe Verluste. Deshalb fällt es Ziebart auch schwer, Käufer für die Qimonda-Anteile zu finden.

Andererseits kommt die Sanierung der verlustreichen Kommunikationssparte des Konzerns nicht wie geplant voran. Weil sich wichtige Aufträge verzögern, wird der Bereich entgegen früherer Prognosen auch im laufenden Geschäftsjahr rote Zahlen schreiben. „Der für 2008 in Aussicht gestellt Verlust in der Kommunikationssparte bleibt die größte Enttäuschung“, urteilten jüngst die Analysten von Unicredit. Im abgelaufenen Quartal lief insgesamt ein Verlust von knapp 400 Mill. Euro auf.

Wegen der miserablen Lage ist zudem der Aktienkurs im Keller. Die im Dax notierten Papiere kosteten am Freitag nur noch 5,31 Euro, der tiefste Wert seit Jahren.

Ziebart musste sich deshalb bereits auf der Hauptversammlung vor anderthalb Wochen viel Kritik der Anteilseigner anhören. „Auch der geduldigste Aktionär verliert irgendwann die Hoffnung auf nachhaltige Besserung“, schimpfte Verena Brendel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

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