Ziebart vor dem Abgang
Seilschaften, Intrigen, Skandale

Infineon steckt in der Führungskrise. Wieder einmal, muss man wohl sagen. Denn in der noch relativ jungen Geschichte des Unternehmens haben interne Machtkämpfe und Führungskrisen Tradition. So haben denn viele im Unternehmen angesichts des möglichen Rücktritts von Vorstandschef Wolfgang Ziebart ein Déjà-vu-Erlebnis.

MÜNCHEN. „Das war doch schon immer ein Intrigantenstadl“, sagt ein Infineon-Aufsichtsrat. Beim Abgang von Ziebarts Vorgänger Ulrich Schumacher ging es vor vier Jahren ähnlich turbulent zu, später stürzte Vorstand Andreas von Zitzewitz über einen Korruptionsskandal, der neue Finanzvorstand Rüdiger Günther musste im vergangenen Jahr nach nur drei Monaten im Amt wieder gehen. Alle Seiten hoffen, dass dem Konzern in der aktuellen Krise eine lange Hängepartie erspart bleibt, denn bei dem verlustreichen Unternehmen stehen wichtige strategische Weichenstellungen an. Da viele Interessensgruppen im Spiel sind, könnte Infineon aber wieder eine schwierige Zeit bevorstehen.

Ziebart selbst verfolgte die Spekulationen um seine Zukunft aus der Ferne. Am Donnerstag hatte er sich für einen Vortrag auf den Weg nach Kalifornien gemacht. Im Anschluss sollte es nach Taiwan gehen. Der frühere Continental-Chef, der trotz aller Probleme im Unternehmen weiterhin menschlich geschätzt wird, setzt also auf „Business as usual“. Die Spekulationen sind aber nicht aus der Luft gegriffen. Nach Handelsblatt-Informationen ist ein Rücktritt zum 1. Juli im Gespräch – noch sind aber keine Fakten geschaffen. Offiziell äußern will sich im Unternehmen derzeit niemand.

Im Infineon-Aufsichtsrat gibt es verschiedene Fraktionen. An der Spitze steht Max Dietrich Kley, der mächtige und manchmal auch eigenmächtige Vorsitzende des Kontrollgremiums. Er hatte vor vier Jahren die Ablösung Schumachers betrieben und dann für eine Übergangszeit den Vorstandsvorsitz selbst übernommen, bis Ziebart als Nachfolger bestellt war. In der aktuellen Führungskrise steht auch Kley in der Kritik. „Stringenz ist etwas anderes“, kommentiert ein Infineon-Aufsichtsrat Kleys Führungsstil. Ein anderer Kontrolleur hält auch einen Rücktritt Kleys für notwendig, um einen echten Neuanfang zu ermöglichen. Allerdings ist bisher nicht bekannt, dass Kley das Vertrauen der Mehrheit in dem Gremium verloren hätte.

Der Aufsichtsratsvorsitzende jedenfalls soll unzufrieden sein mit der Arbeit Ziebarts. Dessen Sanierungsbemühungen zeigen im Ergebnis unter dem Strich noch immer kaum Wirkung. Zudem wird im Aufsichtsrat kritisiert, dass Ziebart die Speicherchiptochter Qimonda an der langen Leine gelassen habe. Auch komme der Ausstieg aus dem volatilen Geschäft mit Dram-Speicherchips nur mühsam voran. Zuletzt verlor Ziebart auch an den Kapitalmärkten Rückhalt, als er einräumen musste, dass die Rückkehr der lange verlustreichen Mobilfunksparte in die Gewinnzone nur ein Strohfeuer war. „Natürlich wird da der Druck auf den Vorstandsvorsitzenden größer“, sagt ein intimer Kenner des Konzerns.

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