Zu geringer Preis
Virgin Mobile ziert sich bei Übernahme durch NTL

Der britische Mobilfunkanbieter Virgin Mobile hat die Kaufofferte des Kabelnetzbetreibers NTL abgelehnt. Dennoch könnte es zu einer Übernahme kommen.

HB LONDON. Die Virgin-Führung sei zu der Überzeugung gekommen, dass die Offerte nicht den Wert des Unternehmens widerspiegele, teilte Virgin am Mittwochabend mit. Nach Einschätzung von Analysten versucht Virgin, den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. NTL hat umgerechnet 323 Pence je Aktie geboten. An der Börse war die Virgin-Aktie jüngst bis auf 356 Pence gestiegen, was Investoren als Anzeichen gewertet hatten, dass die Anleger zuversichtlich sind, dass die Offerte angehoben wird. Analysten halten aber auch ein Gegenangebot für möglich. Als potenzielle Interessenten dafür wurden der britische Mobilfunkanbieter Vodafone und der zur France Telecom gehörenden Mobilfunkanbieter Orange genannt.

NTL hatte Anfang Dezember erklärt, Virgin für 817 Mill. Pfund (rund 1,2 Mrd. Euro) übernehmen zu wollen. Damit soll ein Unternehmen geschaffen werden, das unter der Marke Virgin TV-Dienste, Internetzugang, Festnetz-Telefonanschlüsse und Mobilfunkdienste anbietet. Damit hätte NTL einen potenziellen Vorteil gegenüber Konkurrenten wie der BT Group oder dem Satellitenbetreiber BSkyB. Virgin Mobile nutzt für seine Dienste das Netz der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile.

Der Virgin-Mobile-Großaktionär und Unternehmer Richard Branson, der über seine Virgin Group Holding 72 Prozent an dem Mobilfunkanbieter hält, habe angekündigt, seine Anteile in NTL-Aktien zu tauschen, wenn die Übernahme zu Stande komme, hatte NTL bei Bekanntgabe der Offerte gesagt. Einen Teil werde er sich möglicherweise auch in bar zahlen lassen. T-Mobile habe angedeutet, die Transaktion zu unterstützen.

Analysten begrüßten den geplanten Kauf im Grundsatz. Allerdings wiesen sie darauf hin, dass sich NTL, der gerade erst für rund 6 Mrd. Dollar seinen kleineren Konkurrenten Telewest gekauft hat, möglicherweise übernehmen könnte. Zwar verstärke NTL seine Marke mit Virgin. „Aber wir warnen davor, dass NTL möglicherweise zu viele Dinge auf einmal auf sich nimmt“, sagte Jim McCafferty von Seymour Pierce.

Auch sei die Frage, ob sich der Kauf von Virgin Mobile für NTL wirklich auszahle, sagten Analysten. „Wir hinterfragen die Qualität der Virgin-Mobile-Kunden, die typischerweise eher geringe Durchschnittsumsätze liefern und möglicherweise nicht das Geld haben, um die anderen Services von NTL zu nutzen.“

Viele Telefon-Kunden verzichten auf ihren Festnetzanschluss und nutzen das Mobiltelefon für Gespräche. Damit könnte die Akquisition eines Mobilfunkanbieters NTL vor dem Verlust von Telefonkunden bewahren. NTL ist der zweitgrößte britische Pay-TV-Anbieter hinter Sky und der zweitgrößte Telefonanbieter hinter BT auf der Insel.

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